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Gutes aus dem Küchengarten: Der Männer-Garten: Bäume, Fische, Hühner

Bernhard Gruber aus Österreich ist kein Gemüsegärtner. Denn bei ihm gedeihen Bäume und Sträucher, die Obst tragen. Er zieht Karpfen und hält Hühner für Eier - ein richtiger Männergarten eben.

Bäume und Männer. Das passt zusammen. Frucht tragende Bäume und Sträucher, dazu ein Fischteich und ein paar Hühner – das könnte man ebenfalls Männern in die Schuhe schieben.

Ein solcher "Männer-Garten" befindet sich bei Linz im Traunkreis (Österreich). "Ich bin kein Gemüsegärtner", sagt Bernhard Gruber, seines Zeichens Waldgarten-Pionier. Dafür pflanzt er Bäume und Sträucher, die Obst tragen und Nutzholz bringen. Zieht Karpfen und Süßwassermuscheln im Teich und hält sich Hühner für Eier und später dann für die Suppe. Die Männer-Version des Küchengartens hat sich manifestiert.

Grubers Einjochgarten in Eggendorf im Traunkreis ist ein Wald-Wasser-Garten. Voll mit Wildkräutern und wilden Heilpflanzen. Er bietet aber auch Besonderheiten wie die Maibeere, Ölweide und den Lederhülsenbaum.

Gruber ist ein Fan von richtig großen Nutzpflanzen. Sobald sie Strauchgröße erreichen und einem Baum ähnlich werden, sind sie für ihn interessant. Dann trägt er diese Pflanzenraritäten aus aller Welt zusammen, setzt sie in seinem Wald-Wassergarten an.

Aufgrund dieses Interesses fand auch der Lederhülsenbaum ins oberösterreichische Eggendorf. Ein aus Nordamerika stammender Allee- und Parkbaum, der hohe Streusalzmengen verkraftet und mit Luftverschmutzung gut zurecht kommt. Gruber sagt, der Lederhülsenbaum würde als Wertholz noch verkannt werden, obwohl sein Holz um das 1,5-fache härter als jenes der Eiche ist. Die Fruchtschoten dieses anspruchslosen Tiefwurzlers sind im grünen Zustand außerdem wie grüne Bohnen verwend- und essbar.

Zwischen Apfelbäumen wachsen in Mischkultur auch Ölweiden und Lärchen, begleitet von Beinwell und anderen wilden Heilpflanzen, die Nährstoffe aufschließen helfen. Stockwerkbau, so nennt das der gelernte Lebensmitteltechnologe und Werbedesigner, dem die Permakultur schon im Elternhaus beigebracht wurde.

Es muss immer etwas wachsen, und der Gartenzyklus läuft und läuft und läuft. Das Leben, das sind Kreisläufe, nicht die Sackgasse. Also wird bei Gruber auch fleißig "gekreislauft", recycelt. Der Lehm, den sein Stück Land hergibt, wird zum Bau des Strohballen-Lehm-Hauses verwendet, an dem derzeit noch gebaut wird. Interessierte können am Bau mithelfen. Das hoch stehende Grundwasser am Grundstück nützte er mit der Anlage eines schlangenförmigen Teiches, zieht darin Karpfen und Muschel. Ein alter Traktoranhänger wurde zum Hühnerstall umgebaut. Darin wohnen jetzt echte steirische Hühnerrassen und ziehen ihre Jungen groß. Und der Grasschnitt, der am Grundstück anfällt, wird zum Mulchen verwendet.

Bernhard Gruber, der Waldgarten-Pionier in Österreich.

Den Einjochgarten umgibt traditionelle Landwirtschaft. Also nix bio, nix naturnah. Sondern reine Ertragswirtschaft. Das Grundstück, das heute den Einjochgarten ausmacht, war vor fünf Jahren noch ein Pappelwald, eine klassische Monokultur. Gruber musste diese roden. Und niemand wollte dieses Stück Land haben, weil darauf kein richtig guter Ertrag zu erwirtschaften ist. Das stimmt auch, wenn man in klassischen landwirtschaftlichen Kategorien denkt. Das stimmt nicht, wenn ein Permakulturist auf diesem arbeitet.

Permakultur hat nichts mit Ertragssteigerung zu tun. Permakultur ist Kreislaufwirtschaft und ausgeklügeltes Nützen der Kreisläufe in der Natur, sowie das Nützen von dem, was vorhanden ist. Um daraus das Optimale zu machen. In diesem Fall: hoch stehendes Grundwasser, Lehmboden, Halbschatten am Rand eines Baches, für konventionelles Wirtschaften wertlos.

Wer den Waldgarten besichtigen will, kann das jederzeit tun. Man sollte sich aber mit Bernhard einen Termin ausmachen. Kann schon sein, dass er dich dann einlädt, mitzuarbeiten. Learning by Doing, das wird bei ihm groß geschrieben. Damit das auch etwas leichter funktioniert, im eigenen Alltag, für den gibts von Bernhard nun ein kleines Handbuch, eine Fibel sozusagen.

Ich lernte an meinem Tag im Einjochgarten, wie ein Beet mit Heukartoffel angelegt wird. Und habe diese Erkenntnis in meinem Küchengarten bereits umgesetzt. Saatkartoffel einfach auf die Erde legen, kniehoch mit Mulchmaterial bedecken. Warten. Im Herbst wird dann das Mulchmaterial beiseite genommen und es können die Kartoffel geerntet werden.