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Gutes aus dem Küchengarten Garteln gegen Armut

Gutes aus dem Küchengarten: Garteln gegen Armut

Ich habe nun wieder das Bloggen über einen simplen Lebensstil aufgenommen. Weil dort so viele Leute aufs Blog gehen und dieses Thema scheinbar immer wichtiger wird. In Zeiten, wo die Teilzeitjobs zunehmen und besorgniserregende Zahlen über Armutsgefährdung in Deutschland und Österreich kursieren, kann es von Vorteil sein, das eigene Leben zu vereinfachen. Freier zu werden von Belastungen und das Haushaltseinkommen besser einteilen zu können.

Nun können auch KüchengärtnerInnen etwas zum Haushaltsbudget beitragen. Schließlich ist in Zeiten einer "tough economy", also in wirtschaftlich schwierigen Situationen, ein robustes Haushalten gefragt. Robust gegenüber äußeren Störungen wie plötzliche Einkommensausfälle, überraschende Neuanschaffungen, längere Zeiten der Arbeitslosigkeit. Nachweislich wird nämlich am Einkauf von Lebensmitteln zuerst gespart, wenn man knapp bei Kasse ist. Und das muss nicht sein, wenn man einen Küchengarten hat.

Also lassen sich Nahrungsmittel auf verschiedene Weise besorgen. Man kann sie selber anbauen, man kann Überschüsse von anderen Gärten annehmen oder Wildkräuter, Wildgemüse und Wildobst sammeln. Diese Nahrungsmittel verarbeiten, trocknen, einlegen und mit ihnen Vorratswirtschaft betreiben. Automatisch wird sich der Ernährungsstil dabei verändern, weg von Fertigprodukten, hin zu täglich frischem Kochen und Vegetarisches wird vermutlich überwiegen.

SOMA und Tafel müssen nicht sein

Bei Sozialmärkten einzukaufen, bei Tafeln zu essen oder das Dumpstern in Müllcontainern hinter Supermärkten stellt für mich keine Form einer nachhaltigen Nahrungsmittelbeschaffung dar. Warum? Weil man auf die "Abfälle" und Spenden anderer angewiesen ist. Man zum Bittsteller wird, und dieses Bittstellen der Selbstachtung und dem Selbstwert schadet.

Wer hingegen Nahrungsmittel selbst anbaut, sie sammelt und weiter verarbeitet, dem wird damit die Selbstachtung zurückgegeben, und man empfindet diese Arbeit als sinnvoll und wertvoll. Selbstachtung und Selbstwert sind höchstes Gut für ein gutes Leben!

Und alle GemeinschaftsgärtnerInnen, mit denen ich in den vergangen zwei Jahren sprach, erzählten mir, dass in ihren Gärten auch Langzeitarbeitslose tätig sind. Oder Menschen, die einfach durch das soziale Netz fielen. Beim Garteln aber lernen sie wieder Selbstachtung und erkennen, was Sinn im Leben macht. Garteln ist auch Therapie gegen die scheinbare Hoffnungslosigkeit der eigenen Situation mit einem hohen Erfolgs- und Selbsthilfepotenzial. Wer Gärten sucht, wird vielleicht hier fündig.

Bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln wird dem persönlichen Netzwerk ein wesentlicher Aspekt beigemessen. So hat der eine das Getreide auf dem Acker, der andere mahlt es in seiner Mühle, wieder andere Menschen im eigenen Netzwerk verfügen über Kenntnisse des Kräutersammelns und über Wildgemüse, bringen handwerkliche Fertigkeiten ein. Andere haben Zugang zu Obstgärten, deren Überschüsse bezogen werden können. Dieses Netzwerk ist individuell erweiterbar, auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Und muss von uns selbst aufgebaut werden! Subsistenz bedeutet nämlich: Arbeit in Gemeinschaft für das, was wir für ein gutes Leben brauchen.

Auch ich verfüge über ein solches Netzwerk. So liefert mir beispielsweise mein Bruder das Brotgetreide, Kartoffel und Kürbis von seinem Biohof in Permakultur. Eier bekomme ich von einer Eier-Bäuerin, bio natürlich, auf der anderen Talseite. Eben kaufte ich einen Korb voll großer Eier, unter denen sich auch Doppeldotter Eier befinden. Diese Eier bekommst du nicht im Laden, weil sie zu groß für die Verpackungsnormen der Supermarktketten sind.

Mein Umfeld weiß aber auch, ich nehme gerne Obstüberschüsse an und verarbeite sie weiter. Solche Vorräte bereichern jetzt noch meinen Speiseplan und entlasten aktuell mein Haushaltsbudget mit rund 30 Euro im Monat (Kräutertees, Kräutersalze, Kräuteressige, eingelegte Gemüse, Marmeladen, Kompotte und Säfte – alles bio natürlich). Gemüse, das nicht in meinem Garten wächst, kaufe ich am Bauernmarkt in der Stadt, der von Kleinbauern der Region befahren wird.

Wichtig bei der Netzwerkgestaltung ist, die unmittelbare Nachbarschaft muss einbezogen werden. Man bleibt also auf lokaler, höchstens regionaler Ebene. Dann kann man auch von einer lokalen Versorgung mit Lebensmitteln sprechen. Über die Notwendigkeit einer solchen spricht ja auch Niko Paech, wenn er von Wirtschaftsstrukturen nach der Wachstumsökonomie erzählt. Diese Strukturen werden aber von uns selbst als Konsumenten aufgebaut und entstehen nicht durch politische Verordnungen von oben. Sie liegen in ihrem Bestehen in der Hand der Konsumenten.

Wenn wir zum Küchengarteln beginnen, dann arbeiten wir auch in Gemeinschaft mit anderen in unserer Nachbarschaft. Darauf sollte der Fokus gerichtet sein. So lässt sich tauschen, zusammenhelfen und gemeinsam Geld sparen. So kann man auch Geräte teilen, Saatgut teilen, Arbeit teilen, Ernten teilen. Das ist auch der Sinn im gemeinschaftlichen Tun. Und wenn man den Trendforschern glaubt, werden wir immer mehr Zeit bekommen, uns mit der Versorgung von Lebensmitteln beschäftigen zu können. Die vielen Teilzeitjobs und geringfügigen Anstellungen machen es möglich.

Wer mehr über ein einfach bewusstes, gutes Leben mit wenigen Dingen erfahren möchte, dem empfehle ich dieses Blog. Zum Küchengarteln geht es aber hier.Diese Seite ist NEU und stellt ab sofort ein Informationsportal für alle Küchengärtnerinnen und Küchengärtner dar, und jene, die es werden wollen. Hintergrundinformationen sind der Schwerpunkt. Dazu gibt es Praxistipps, einen Marktplatz, Vernetzungsmöglichkeiten, Bücher und vieles mehr. Auf der gleichnamigen Facebook-Seite findet ihr täglich um 12 Uhr einen KüGa-Tipp für eure Gartlerei und Gleichgesinnte.


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