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Gutes aus dem Küchengarten Pilze aus dem Küchengarten

Gutes aus dem Küchengarten: Pilze aus dem Küchengarten

Seit dem vergangenen Sommer denke ich über die Schwermetall- und Cäsiumbelastung in Wildpilzen nach. Zumal (österreichische) Behörden für meine Begriffe zu pauschal informieren und man selbst eher sorglos Pilze sammelt. Nachweislich gilt aber, dass in Berggebieten die Cäsiumbelastungen und Schwermetallbelastungen vorhanden sind.

Pilze gehören jedoch für mich zum Küchengarten dazu. Sie sind Teil des großen Küchengartens, nämlich die Natur um uns herum. Und sie gehören zu einer vegetarischen Ernährung.

Was also tun, wenn man in einer Region lebt, die nachweislich noch über hohe radioaktive Belastungen seit Tschernobyl verfügt? Man beliebte Speisepilze wie Schweinsohr, Zigeuner,... meiden oder Eierschwammerl und Herrenpilze in geringen Mengen nur genießen soll. Eine Lösung könnte der Selbstanbau von Pilzen darstellen. Dazu gibt es jetzt ein neues Buch vom Löwenzahn-Verlag.

Die Autoren, Magdalena und Herbert Wurth, betreiben einen Pilzgarten im österreichischen Waldviertel. In "Pilze selbst anbauen" geben sie ihre Erfahrungen mit der Pilzzucht im Biogarten, aber auch auf dem Balkon oder im Keller oder in der Küche weiter. Für mich völlig neu war, dass man Pilze auch in einer Wohnung ziehen kann. Die Pilzzucht im Keller (Champignons) oder auf der Terrasse, dem Balkon (Shiitakes am Baumstumpf) war mir bekannt.

Überraschend war auch zu lesen, wieviele Arten an Speisepilzen der Kuchelgartler selbst kultivieren kann. Und, dass es Gemüsesorten gibt, die in Mischkultur (!) mit Schopftintlingen, Arten des Seitlings, Stockschwämmchen, Nameko und Shiitake angebaut werden. Pilzzucht im Gemüsegarten funktioniert mit Tomate, Gurke, Stangenbohnen, Erbsen, Zucchini und Kräutern wie Thymian, Basilikum, Borretsch, Minzen sowie Kapuzinerkresse.

Unlängst erklärte mir ein Kollege, er hätte leider nur einen Innenhof bei seiner Wohnung in Wien, in den nur wenige Sonnenstrahlen fallen. Ein schattiger Innenhof, in dem nichts wächst. Ich glaube, ich empfehle ihm dieses Pilzbuch. Es verfügt über ein eigenes Kapitel zur Pilzzucht in schattigen Innenhöfen und auf schattigen Balkonen – Pilze benötigen Schatten, pralle Sonne ist nichts für sie.

Das Buch zur Pilzzucht für uns Kuchelgartler enthält viele Bilder und Darstellungen mit Beispielen erfolgreicher Kultivierung von Speisepilzen. Die Zucht der verschiedenen Pilzarten ist tabellenartig beschrieben. Ebenfalls genau erklärt man, wie das Substrat, auf dem die Pilze wachsen, erzeugt und geimpft wird. Wer kein Pilzlabor einrichten will, findet Bezugsquellen für pflanzbereite Pilzbrut in Österreich und Deutschland. Und die Autoren geben Tipps, wie mit Konkurrenzpilzen und Schädlingen (Schnecken) umgegangen wird.

Ich empfand das Lesen dieses Fachbuches höchst inspirierend. Nicht nur, weil der Igelstachelbart so exotisch aussieht und als exzellenter Speisepilz gilt. Ich diesen vorher nicht kannte. Auch die Rezepte und ein Kapitel zur medizinischen Bedeutung so mancher Speisepilze (Reishi), die man im Garten anbauen kann, beflügelten meine Gartenpläne. Die Seitlinge auf Baumstümpfen in Töpfen stehend oder Braunkappen im Pilzbeet lassen sich, so mein Eindruck, in beinahe jedem Kuchelgarten mit ein wenig Geschick kultivieren. Kräuterseitlinge unter Schatten spendender Kapuzinerkresse - sowas muss ich ausprobieren.

Das Buch rät mir aber auch, der Pilze züchtende Kuchelgartler tastet sich an dieses Thema heran. Beginnt mit einfach zu kultivierenden Arten und gelangt erst mit Erfahrung zur Königsdisziplin, der Champignonzucht und Kultivierung der Trüffel.

Ich muss unbedingt die Autoren, die Wurths, in ihrem Pilzgarten im Waldviertel besuchen! Bis dahin bleibt mir ein inspirierendes Fachbuch.


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