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TV-Kritik

Neue Staffel: "Kitchen Impossible": Tim Mälzer: "Kitchen Impossible versaut mir den Spaß beim Kochen"

Die wohl beste Kochshow des deutschen Fernsehens ist wieder zurück: "Kitchen Impossible" geht in die dritte Runde. Tim Mälzer flucht, schwitzt und versinkt in Selbstmitleid. Und doch geht es vor allem wieder um eins: die großartige kulinarische Welt.

Tim Mälzers Kitchen Impossible

Es ist Sternekoch Konstantin Fillipous (links) erstes Duell bei Kitchen Impossible. Kann er Tim Mälzer wirklich schlagen?

Episch, bildgewaltig, grandioser Sound, herausragende Dramaturgie, Spitzenküche und Köche an ihren Grenzen: Dass ich ein Fan von Kitchen Impossible der ersten Stunde bin, ist kein Geheimnis. Umso höher sind meine Erwartungen an die dritte Staffel, umso höher auch die der Zuschauer. Kann Staffel 3 an die erfolgreichen vorangegangenen Episoden anknüpfen?

Die Weihnachtsedition, die im vergangenen Dezember ausgestrahlt wurde, war etwas enttäuschend. Die kulinarischen Geschichten kamen zu kurz. Das sollte in Staffel 3 besser nicht passieren.

+++ Lesen Sie hier mehr dazu, warum die Weihnachtsedition nicht gefallen hat +++ 

Die ersten Minuten der neuesten Folgen versöhnen dann aber doch mit der verpatzten Weihnachtsfolge. Tim Mälzer hat sich Konstantin Fillipou als Konkurrenten ausgesucht. Er ist halb Österreicher, halb Grieche und betreibt ein mit einem Michelin-Stern dekoriertes Restaurant in Wien. Fillipou ist Koch des Jahres und im Gault Millau mit 18 Punkten dotiert. Und er will Tim Mälzer schlagen.

Seine Strategie: Tim Mälzer zweimal Traditionsgerichte kochen zu lassen, einmal in Griechenland und einmal in Österreich. Tim Mälzer misst sich mit den Koryphäen der Kochtöpfe seit zwei Staffeln. Zum ersten Mal aber erwischt es ihn eiskalt: Bereits bei der Übergabe der Länderflaggen (die das Land markieren, in dem die Kontrahenten antreten müssen), überreicht Fillipou Mälzer die erste Box - in Wien. Mälzer muss im Restaurant des wohl besten Kochs Österreichs, Christian Petz, kochen. Mälzers Duell beginnt noch bevor er sich überhaupt mental darauf einstellen kann. Ist das Tim Mälzers Genickbruch? 


Demut vor dem Tier

In der Challenge geht's ums Rind. Mälzer soll eine österreichische Spezialität aus geschmorten Innereien und Schnecken zubereiten: Leber, Milz, Bries, Bruckfleisch, Aorta und Zwerchfell muss der TV-Koch verarbeiten. Die erste Herausforderung: Mälzer muss in den Zerlegebereich einer Metzgerei, die noch selber schlachtet – und sich die Innereien des noch handwarmen Rinds selbst herausschneiden. "Es ist ein imposanter, emotionaler Anblick, wenn man ein Tier, das gerade frisch geschlachtet worden ist, in seiner Gänze noch einmal vor sich sieht." Mälzer zollt dem Tier Respekt und auch Demut. Ein wichtiger Moment, nicht nur für den TV-Koch.

Das Genick bricht sich Mälzer in dieser Challenge nicht, und auch von Christian Petz hört man nur Worte des Lobes. Der Mann könne kochen und koche aus Leidenschaft. Die Jury, die unter anderem aus Sternekoch Juan Amador besteht (den hat Mälzer in der ersten Staffel geschlagen), straft ihn nicht ab. Mälzer geht mit erhobenen Hauptes aus dem Kochduell und heimst 5,6 Punkte ein.

"Ich mag kein Fett an den Fingern"

Anders ergeht es Konstantin Fillipou in England. Fillipou ist leicht neurotisch veranlagt, steht etwas nicht in Reih und Glied, wird er nervös. Zudem hasst er Fett und Frittiertes und isst nicht gern mit Händen: "Ich habe extrem viele Ticks. Ich esse nicht so gern mit Händen. Diese Berührung mit Fett kann ich überhaupt nicht ab", sagt der Sternekoch im Einspieler. Tim Mälzers Aufgabe für den Sternekoch? Fish and Chips. Also alles, was Fillipou nervös macht. Die Nacht vor seinem Duell ist für den hochdekorierten Koch Psychoterror.

In der Auswahl der Zutaten für sein erstes Duell ist er aber selbstsicher. Er kennt sogar den englischen Namen für die besten Pommes-Kartoffeln – Maris Piper. Den Fisch fürs Gericht muss Fillipou aber selbst filetieren. Obwohl er ein herausragender Koch ist, ist ihm seine Nervosität ins Gesicht geschrieben. Was ihn aber umso sympathischer macht. Bis er einen Sack Kartoffel schälen muss. Dann flucht er so wild wie es Mälzer nur in seinem schlimmsten Momenten tut. Zwar sagt Fillipou selber, dass er es hasst, wenn Fett an seinen Fingern ist. Beim Kochen aber ist er am Ende von unten bis oben eingesaut - mit Teig, Erbsen und Mehl. Eine Komödie in diesem Drama. Aber wie Tim Mälzer das Konzept der Sendung bereits beschrieben hat: Es ist ein "Wettbewerb auf Augenhöhe, in dem man sich "gegenseitig in die Scheiße reitet".

Bei "Fish and Chips" ist die Kruste der Schlüssel zum Erfolg. Der Sternekoch Konstantin Fillipou patzt. Sie ist zu fettig und zu teigig. Er erhält 4,4 Punkte. 

In Griechenland wird Mälzer der Spaß am Kochen genommen

Mälzer zweites Duell muss er in Griechenland ausfechten - und zwar außerhalb seiner Komfortzone. Er muss Käsemachen und ein griechisches Soulfood-Gericht kochen. Mälzer beschwert sich, er müsse sich zu viel mit Techniken auseinander setzen und nicht mit der eigentlichen Aufgabe – dem Geschmack. Und an diesem Tiefpunkt kommt der von Mälzer so bekannte und geschätzte Ehrgeiz und Siegeswille. Duell um Duell gelingt es ihm aufs Neue. Bis auf dieses Mal. Und man kann über Mälzer sagen, was man will. Diesmal hat er das Mitleid verdient. Fillipou hat den TV-Koch gebrochen, traditionell griechisch kann er nicht. "Ich glaube das war die schlechteste Arbeit jemals bei 'Kitchen Impossible'", sagt Mälzer. Von der Jury erhält er schwache drei Punkte. Sein schlechtestes Ergebnis bislang. "'Kitchen Impossible' versaut mir den Spaß beim Kochen."

Aber kann Konstantin Fillipou deshalb gewinnen? Oder scheitert er an einer französischen Pastete? Nicht an irgendeiner, sondern an der "L'Oreiller de la Belle Meunière" des Restaurants "La Meunière" in Lyon. Eine Institution. Der Sternekoch scheitert nicht und besiegt Tim Mälzer. Es ist fast schon enttäuschend. Aber es folgen ja noch sechs weitere Folgen mit Tim. (Zum Glück!)      

"Kitchen Impossible" hat mit 2 Stunden 40 Minuten bestimmt Längen, die man knapper fassen könnte. Trotzdem: Hier stimmt wieder alles. Die kulinarischen Geschichten kommen nicht zu kurz. Die Köche schwitzen. Man sieht sie außerhalb ihrer Komfortzonen. Für Fillipou ist "Kitchen Impossible" eine der "härtesten Aufgaben" seines Lebens, und das nimmt man ihm ab. Mit Folge 1 ist Vox mit seiner wohl besten Sendung im Portfolio der Auftakt mehr als gelungen. 

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