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Peru: Restaurant verteilte unterschiedliche Speisekarten – auf denen für Frauen standen keine Preise

Ein nobles Restaurant in der peruanischen Hauptstadt Lima muss eine saftige Geldstrafe zahlen, weil es Männern und Frauen zweierlei Speisekarten ausgehändigt hat. Die Menüs für Frauen enthielten keine Preise. 

Ein Restaurant in Peru darf Frauen und Männern keine unterschiedlichen Speisekarten mehr anbieten (Symbolbild) 

Ein Restaurant in Peru darf Frauen und Männern keine unterschiedlichen Speisekarten mehr anbieten (Symbolbild) 

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"La Rosa Nautica" heißt ein nobles Restaurant mitten in der peruanischen Hauptstadt Lima. An einem hübschen Pier kann man hier Meeresfrüchte und nationale Spezialitäten genießen. Für das Vergnügen verlangt das Restaurant stolze Preise. Doch wie viel die gebratenen Jakobsmuscheln oder Ceviche kosten, erfuhren Frauen hier bis vor kurzem nicht - zumindest, wenn sie in Begleitung ihrer Partner kamen. Paare, die hier einen Abend verbringen wollten, bekamen nämlich zweierlei Speisekarten. Die Männer erhielten ein blaues Menü, in dem die Preise für die teuren Fischgerichte standen. Frauen bekamen hingegen ein goldenes Menü, das keine einzige Preisangabe enthielt. 

Eine Praxis, die nicht weiter geduldet werden dürfe, entschied nun das Nationale Institut für die Verteidigung des freien Wettbewerbs und für den Schutz geistigen Eigentums, nachdem 2018 eine Beschwerde gegen das Restaurant eingegangen war. Die peruanische Behörde beurteilte die besonderen Speisekarten für Frauen als sexistisch und diskriminierend, berichtet die Nachrichtenseite "Caretas".

"Diese kleinen Dinge wirken harmlos", sagt Liliana Cerron vom zuständigen Institut. "Aber am Ende sind diese Dinge die Basis eines chauvinistischen Konstrukts, das die Unterschiede zwischen Mann und Frau verstärkt."

Keine Preise für romantische Abende? 

Das Restaurant hatte die Praxis als Teil eines außerordentlichen Services verteidigt. Man wolle, dass Frauen einen "romantischen Abend" verbringen könnten, ohne sich Gedanken über die Kosten ihrer Mahlzeit machen zu müssen. Dieser Argumentation folgte die Behörde nicht. Frauen hätten dasselbe Recht, die Preise für die Speisen zu erfahren, wie ihre männlichen Begleiter. Dem Betreiber wurde eine Geldstrafe von umgerechnet mehr als 55.000 Euro auferlegt. Zudem muss das Restaurant nun sofort einheitliche Speisekarten aushändigen. Damit weitere Fälle von Diskriminierung vermieden werden, soll das Personal außerdem dementsprechende Schulungen erhalten. 

ivi
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