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Schottland kulinarisch: Zehn Fakten über Schottlands Esskultur

Was ist eigentlich Haggis? Woher kommt der Whisky wirklich? Und warum lieben die Schotten Frischkäse? Auf all die Fragen gibt es teils überraschende Antworten - und die finden Sie hier.

Von Linda Gondorf

Obwohl sie von derselben Insel stammen, haben die Schotten und Briten in Sachen Küche und Esskultur wenig gemein. In Schottland gibt es Gerichte, die in England unbekannt sind oder als "ungenießbar" gelten. Doch wir finden: Die schottische Küche hat einiges zu bieten - auch wenn manches gewöhnungsbedürftig klingen mag. Hier stellen wir Ihnen zehn Fakten rund um schottische kulinarische Highlights vor.

1. Schottische Küche und eine andere Menüfolge

Traditionell ist die schottische Küche eher deftig. Die Mahlzeiten mussten die Menschen auf dem Land vor allem sättigen. Produkte aus und mit Hafer, Gemüse aus dem Garten, Fleisch von Schaf und Wild und Fisch spielen seit jeher eine zentrale Rolle. Doch geschmacklich und auch optisch können einige Gerichte eine Herausforderung für den kontinentalen Gaumen sein. Wie zum Beispiel gefüllter Schafsmagen mit Innereien.

Eigentlich ist die Menüabfolge der Schotten die gleiche wie bei uns Deutschen: Suppe oder eine kalte Vorspeise, Hauptspeise und zum Schluss Süßspeise oder Pudding. Nach dem Pudding jedoch gönnen sich die Inselbewohner oft noch ein "Savoury", eine pikante Nachspeise.

Ein Beispiel hierfür ist das oft pikant gewürzte Gericht "Scotch woodcock": Hierbei handelt es sich meist um einen Nachtisch aus mit Rührei überzogenen Sardellen, die auf Toast serviert werden.

2. Süße Versuchung

Scones, Crumpets, Shortbread - die Schotten wissen, wie man schlemmt. Scones sind eigentlich eine urbritische Gebäckart, aber auch in Schottland werden sie oft zur "Tea Time" gereicht wird - und werden auch mal aus Kartoffelbrei zubereitet. Traditionell mischt man Mehl, Backpulver, Salz, Zucker, Milch und saure Sahne zusammen und knetet einen festen Teig. Aus diesem formt man kleine Kugeln, die dann in den Backofen kommen.

Crumpets sind große, dünne Pfannkuchen. Der Name "Crumpet" geht auf das Jahr 1694 zurück und bezieht sich auf einen zerknitterten ("crumpled") oder auf einen lockeren ("curled-up") Kuchen. Da Crumpets einen recht neutralen Geschmack haben, belegt man die heißen Küchlein mit Marmelade, Honig oder Käse.

Shortbread ist wohl das traditionellste Gebäck in Schottland. Die Zubereitung des süßen Mürbeteiggebäcks kann man sich gut merken: einen Teil Zucker, zwei Teile Butter und drei Teile Mehl. Die beliebteste Backform ist der quaderförmige, fingerlange "Shortbread Finger".

3. Wasser des Lebens

Eine Steuerurkunde aus dem Jahr 1494 hält erstmals schriftlich den Nachweis für die Whiskydestillation in Schottland fest und besagt: "Acht Balls Malt für Bruder Cor, um damit Aqua-Vitae zu machen." Der Name Whisky leitet sich von dem gälischen Wort "Uisce Beatha" ab, was übersetzt "Lebenswasser" bedeutet. Bis heute streiten sich aber Schottland und Irland darum, wer das Ursprungsland des Whiskys ist. Fest steht, dass Schottland mit einem 40-prozentigen Anteil an der weltweiten Produktion das wichtigste Whisky-Land ist.

4. Nationalgericht

Haggis besteht aus dem Magen eines Schafes. Dieser wird mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt. Nachweislich wurden bereits in der Antike Tiermägen oder Tierdärme mit Innereien gefüllt und von den Römern gegessen. Die Rezeptur war ursprünglich für die bäuerliche Schlachtresteverwertung gedacht.

Die Einfuhr von Haggis in die USA ist bis heute verboten, da Haggis Schafslunge enthält, dessen Verkauf schon seit 1971 verboten ist.

5. Des Schotten liebster Tee

Tee könnten die Schotten morgens, mittags, abends und nachts trinken. Die britische Teekultur entstand schon im 17. Jahrhundert. Aber bis heute ist nur der schwarze Tee der Wahre. Für ihren "five o'clock tea" bevorzugen sie kräftigen schwarzen Tee, der lose in die Teekanne gegeben wird. Die Teeblätter werden in der Kanne mit kochendem Wasser überbrüht. Mit der Zeit wird der Tee in der Kanne immer kräftiger. Also gießt man, wenn die Kanne halb leer ist, mit heißem Wasser auf. Meist verfeinern die Schotten den Tee mit warmer, fetthaltiger Milch und Zucker. Die Anhänger des "milk-in-first" schütten zuerst die Milch in die Tasse und anschließend den Tee, während die "tea-in-first" Anhänger die Zeremonie genau umgekehrt zelebrieren. Die Tee-Etikette schreibt sogar vor, dass drei Gänge zum Nachmittagstee gereicht werden müssen: Sandwiches, Scones mit Schlagsahne und zum Abschluss noch ein Shortbread oder kandierte Früchte.

6. Kulinarischer Grenzfall...

... oder doch leckere schottische Küche? Was enthält eigentlich der frühmorgendliche Leckerbissen "Porridge" aus Schottland? Und wird der Haferbrei zum neuen Trend? Die Grundzutat bilden Haferflocken oder auch Dinkelflocken. Dann kocht man Milch auf und fügt die Flocken hinzu. Wer Kalorien sparen will oder laktoseintolerant ist, kocht einfach Wasser auf. Darin quillt das Getreide genauso gut. Mit Vanille oder Zimt bekommt der Porridge - ganz ohne Zucker - eine süße Note. Honig oder Agavendicksaft haben den gleichen Effekt. Dazu ein paar frische Früchte, fertig ist das gesunde Frühstück. Porridge ist für den Körper ideal. Das Getreide versorgt uns schon am Morgen mit Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Ballast- und Mineralstoffen.

7. Ein Moorhuhn für dich, ein Moorhuhn für mich

Moorhuhn ist in Schottland eine wahre Delikatesse. Tatsächlich ist es aber nicht so einfach, den schnell fliegenden Vogel zu fangen. Der ist bis zu 110 km/h schnell und stellt für jeden Jäger eine Herausforderung dar. In Schottland weiß jedes Kind: Die Jagd­saison für Moorschneehühner beginnt am "Glorious Twelfth", dem 12. August. 1888 schoss ein Lord angeblich 1070 Hühner an einem Tag. Heute kostet ein einziges erlegtes Paar rund 80 Pfund (rund 100 Euro). Die Tiere gelten als exquisite Spezialität. Mehrere Tage muss der Vogel abhängen, damit sich der Geschmack entwickelt. Dann wird er in einem Topf geschmort oder im Backofen gebraten. Dazu gibt es Brotsauce, Fleischsaft und Bratkartoffeln.

8. Käse können nicht nur die Franzosen

Seit dem Spätmittelalter stellen die Schotten ihren Lieblingskäse "Caboc" her. Der Frischkäse aus den schottischen Highlands wird mit Hafermehl überzogen. Die älteste Käsesorte Schottlands soll ursprünglich ein Schäfer entdeckt haben. Der hatte seinen Käse in einer Schachtel aufbewahrt, in der er zuvor Haferflocken transportierte. Nachdem er die Schachtel öffnete und die Mischung aus Flocken und Käse probiert hatte, soll es ihm so gut geschmeckt haben, dass er den Käse zukünftig mit Haferflocken herstellte.

9. Fish & Chips Battle

Fish & Chips ist sowohl in England als auch in Schottland beliebt. Jedes Jahr entscheidet eine Jury darüber, wer nun die besten Fish & Chips verkauft.

Der "The Bay Fish & Chip Shop" in Stonehaven, Schottland, gewann den Fish & Chips Award 2012 und 2013. 2014 mussten sie den Preis jedoch an "Quayside" aus Whitby, North Yorkshire, England, abgeben. Wenigsten den zweiten Platz konnte ein Schotte für sich entscheiden: "Frankie's Fish and Chips".

10. 67,5 Umdrehungen

Die Schotten lieben Bier. So auch Lewis Shand und John McKenzie, die bereits mit 16 Jahren ihr erstes Bier zum Eigenbedarf brauten. 2011 gründeten die beiden ihre Brauerei und spezialisierten sich auf Starkbier. Als stärkstes Bier der Welt schickten die Besitzer von "Brewmeister" ihr "Armaggeddon" Starkbier ins Rennen. Das hatte 65 Prozent Alkohol. Dieses Jahr legten sie mit dem "Snake Venom" Bier nach. Den Verkoster erwartet ein 67.5% vol. starkes Getränk. Kosten: schlappe 50 Pfund (rund 62 Euro).

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