Teil 9 Hallo, kleiner Bruder


Aus dem Piemont kommt nicht nur teurer Barolo, den Charakter der Nebbiolo-Traube zeigen auch günstigere Weine aus dem benachbarten Alba

Piemont? Da denken Etikettentrinker sofort an teuren Barolo. Aber die stern-Weinschule ist für Einsteiger - deshalb stellen wir heute einen Nebbiolo d'Alba vor. Der wird wie Barolo aus der Rebsorte Nebbiolo gemacht und schmeckt vergleichbar. Schließlich grenzt seine Anbauzone direkt an die Edel-Appellation Barolo. Weil das Angebot bei Nebbiolo d'Alba größer ist und die Nachfrage geringer, kostet er aber nur ein Drittel.

Auf seinem herben Gerbstoffgerüst erinnert unser Nebbiolo an feuchtes Herbstlaub, auch an Kakao, Pilze, Teer und sogar an Harz. Im Mund ist er kompromisslos trocken und, obwohl relativ farbschwach, von einer durchschlagenden Intensität. Dazu trägt auch die Säure bei und dieser wunderbare Hauch nach Stall, der entfernt über dem Glas schwebt. Beim Barolo ist dieses Merkmal übrigens noch stärker ausgeprägt. Wir wissen, das klingt schräg, und nicht jedem wird sich das Herz beim Verkosten öffnen, aber probieren Sie diesen Nebbiolo mal zu in Rotwein geschmortem Rinderbraten oder Sonntagsrouladen. Am besten drei, vier Stunden vorher dekantieren.

Zur Farbe:Rote Rebsorten mit dünnen Beerenhäuten enthalten weniger Farbstoffe als solche mit dicken, trotzdem enthalten sie manchmal sehr viel Gerbstoff. Wie unser Nebbiolo, der deshalb kräftige und fast herbe Weine liefert (Merke: Ein heller Roter muss kein Schwächling sein!). Um beim Nebbiolo alle Pigmente herauszulösen, lassen die Winzer die Beerenhäute während und sogar nach der Gärung im Wein: zwei, drei Wochen sind keine Seltenheit. Auf diese Weise gelangen auch viele Gerbstoffe hinein. Die anschließend übliche Holzfasslagerung (6000-Liter-Fässer sind im Piemont keine Ausnahme) ist wichtig, damit der Wein durch den feinen Sauerstoffeinfluss seine ungestüme Säure und überzählige Gerbstoffe abbaut. So vollendet er sich in seiner Aromatik, und es entsteht ein haltbarer und starker Wein. Unser Nebbiolo kann in der Flasche locker bis zu acht Jahren reifen .

Die berühmtesten Nebbiolos heißen nach den Dörfern Barolo und Barbaresco. In ihrem Umkreis liegen Appellationen, in denen aus derselben Rebsorte einfachere Weine gemacht werden: Nebbiolo d'Alba, Nebbiolo di Langhe sowie Roero. Unser Nebbiolo wächst im Tal von Diano d'Alba, das zwischen Barolo und Barbaresco liegt. Er wurde nicht so lange fassgelagert wie seine großen Brüder, hat aber verwandte Wesenszüge, weil die kalkhaltigen Lösslehmböden und das Klima sehr ähnlich sind.

Das Wort Nebbiolo könnte sich vom italienischen "nobile" (edel) ableiten oder von "nebbia", dem Nebel, der sich im Herbst so pittoresk zwischen die Weinhügel senkt. Es könnte vielleicht auch der Nebel gemeint sein, der als zartweißer Schleier auf den Trauben zu finden ist (wie bei Pflaumen). Wir persönlich glauben aber, es sind die schrägen Nebbiolo-Aromen, die uns die Sinne benebeln.

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