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Aus der Küche: Sie hassen backen? Damit sind Sie nicht allein

Backen und Kochen sind für mich zwei verschiedene Dinge. Akribie statt Leidenschaft, süß statt herzhaft. Warum ich backen nicht leiden kann, hat einen ganz bestimmten Grund - und damit bin ich nicht allein.

Backen

Backen mag nicht jeder

Ich liebe Kuchen, Torten, Gebäck, Kekse, Plätzchen – und alles andere, was als Süßkram aus dem Ofen kommt. Vor allem dieser Duft! Selber backen dagegen ist für mich der Horror. Genauer gesagt: Ich hasse es. Warum?

Es fängt damit an, dass man so viel Equipment fürs Backen braucht: Ofen, Schüssel, Küchenwaage, Rührgerät, Messbecher, Kuchenform, Schneebesen, Kochlöffel, Teigschaber. Und das ist NUR die Grundausstattung. Hinzu kommt die Vielzahl an Zutaten: Mehl, Eier, Zucker und Butter sind die Basics, was wirklich Schmackhaftes kann man daraus aber nicht zaubern. Also braucht man Schokolade, Nüsse, Trockenfrüchte, frische Früchte, Quark oder Pudding. Damit der Teig aufgeht Backpulver, Natron oder sonstige Triebmittel. Zudem noch päckchenweise Vanillezucker. Davon habe ich nach mehrmaligem Backen übrigens nicht nur ein offenes Päckchen, sondern knapp ein Dutzend mit verschiedenen Füllständen. Denn reißt man mal eins fürs Backen auf, vergräbt man es nach Gebrauch in den Tiefen des Vorratsschranks und vergisst es. Immer! Beim nächsten Mal geht es dann fröhlich so weiter - bis das große Erwachen kommt, wenn man den Vorratsschrank mal wieder aufräumt.

Kochen ist übrigens eine meiner großen Leidenschaften. Aromen und Zutaten so zu kombinieren, dass etwas Großartiges entsteht – und die Menschen, die ich bekoche, glücklich sind, erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit. Wenn ich am Herd stehe (so salopp es auch klingen mag), schalte ich ab, und gelange in einen Trance ähnlichen Zustand. Gemüse schnippeln, im Kochtopf rühren und abschmecken, entspannt mich einfach. Und ich brauche dafür gar nicht viel: eine Auswahl an Zutaten und Gewürzen, ein Schneidbrett, ein scharfes Messer und einen großen Topf oder eine Pfanne.

Ich muss anfangen zu backen, bevor ich Hunger habe 

Das Beste am Kochen: alles kann, nichts muss. Anders beim Backen: Wenn ich die Zutaten nicht akribisch abwiege, ist das Ergebnis meist nicht genießbar. Ich folge beim Kochen nie einem Rezept, ich lasse mich inspirieren, ändere aber häufig nach meinem Gusto ab. Pleiten gibt es bei mir beim Kochen fast nie. Überwinde ich mich doch mal wieder zu backen, geht der Kuchen oder das Brot nicht auf, irgendetwas brennt an - zum Schluss landet die Kreation fast immer im Müll.

Ich bin nicht allein!

Allein bin ich damit übrigens nicht. Nicht ohne Grund gibt es in der Küchenhierarchie unterschiedliche Arbeitsbereiche. Eine davon untersteht dem Pâtissier, der sich mit seinem Team nur ums Dessert – und eben auch ums Backen kümmert. TV-Koch Tim Mälzer ist in dieser Hinsicht mein Bruder im Geiste. Auch er betont immer wieder, wie sehr er backen nicht leiden kann.

Ich koche meist, wenn ich Hunger habe – und lasse mich von den Düften des Gerichts betören und steigere so meinen Appetit. Beim Backen ist es anders: Ich muss anfangen zu backen, bevor ich Hunger habe. Das ist fatal, vor allem, wenn der Teig mehrere Stunden gehen muss. Für Spontanität bleibt da kein Raum. Deshalb koche ich lieber. Auch wenn meinen Kollegen mein kürzlich "gebackener" Zitronenkuchen sehr gut geschmeckt hat. Es war ein No-Bake-Cake. Dafür krümmelt man Kekse in eine Schüssel und vermengt diese mit geschmolzener Butter. Fertig ist der Boden, der ein paar Stunden kühl stehen muss. Dann kommt der Belag, der besteht meist aus Frischkäse oder Quark. Vielleicht sollte ich es für Erfolgsmomente einfach beim "No-Baking" belassen.

No-bake-Cheesecake mit Erdbeeren



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