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Kaffeeersatz: Wurzel statt Bohne: Kommt der Blümchenkaffee zurück?

Es ist noch gar nicht lange her, da gehörte Blümchenkaffee in jeden gut sortierten Haushalt. Das Wildkraut-Gebräu galt als Ersatz zum Bohnenkaffee schlechthin. Zuletzt fristete der Zichorienkaffee ein Schattendasein, jetzt wird er wieder aufgebrüht.

Zichorienkaffee

Koffeinfrei und gesund: Kaffee-Ersatz aus den Wurzeln der Wegwarte.

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Koffeinfreie Kaffee-Alternativen aus Getreide und Malz kennt so gut wie jeder. Aber was ist mit der guten alten Gemeinen Wegwarte, der blaublütigen Pflanze vom Wegesrand, der heilende Kräfte zugeschrieben werden? Aus der Wurzel des Wildkrauts wurde einst der "Preußenkaffee" gemacht, auch Blümchenkaffee genannt.

Nachdem aus dem Luxusgut Kaffee ein Alltagslebensmittel geworden war, ist das Ersatzmittel in Vergessenheit geraten - bis jetzt. Denn das Gebräu aus der Wegwartenwurzel schmeckt dem Bohnenkaffee nicht nur sehr ähnlich, es gilt auch als gesund und besonders bekömmlich. Weil er zudem auch noch frei von Gluten ist, schickt sich der Blümchenkaffee an, ein Revival zu erleben. 

Der Alte Fritz und sein Blümchenkaffee

Kaffee aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte, auch Zichorie genannt, war lange populär. Friedrich II. von Preußen machte ihn nach dem Siebenjährigen Krieg groß, weil die Staatskassen leer waren. Geld für teure Luxusimporte wie Bohnenkaffee gab es nicht. Ein Kaffeeersatz musste her. Der Alte Fritz wusste Rat und ließ Ende des 18. Jahrhunderts Zichorienkulturen anlegen.

Allzu großes Ansehen genoss der Kaffee-Ersatz dennoch nicht. Schließlich wurde Blümchenkaffee meist nur dann aufgebrüht, wenn Bohnenkaffee schwer zu haben war oder zu teuer, um ihn pur zu trinken. Also zu einer Zeit, in der noch ordentlich gepanscht und gestreckt wurde, zuweilen so sehr, dass die florale Keramikverzierung der Tasse durchs Braun zu sehen war. Ein weiteres Indiz für den Namen. Blümchenkaffee war ein Getränk für Zeiten in Not.

Der Alte Fritz war nicht der erste, der auf den Geschmack der Zichorie gekommen ist. Sie gilt als eine der ältesten Pflanzenarten der Welt,  die alten Ägypter sollen sie angebaut haben und bereits den Römern galt sie als Heilpflanze. In der Wegwarte steckt zwar kein Koffein, dafür aber etliche Mineralstoffe und Spurenelemente wie Eisen und Zink, welche die Pflanze auch 2020 zur "Heilpflanze des Jahres" gemacht haben. 

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Zichorienkaffee zubereiten

Zichorienkaffee kann man kaufen. Wer der Pflanzenkunde mächtig ist, kann ihn aber auch selbst herstellen. Die Gemeine Wegwarte ist seltener geworden, aber durchaus noch zu finden. Das krautige Gewächs mit strahlenförmigen blauen Blüten blüht von Juli bis Oktober, traditionell wird im Herbst geerntet.

Für den Zichorienkaffee wird nur die pfahlförmige Wurzel verwendet, aber auch die Blüten, Stängel und Blätter können beispielsweise in Tee zum Einsatz kommen. Die Zichorienwurzel wird gereinigt, getrocknet und geröstet, beispielsweise im Backofen, und dann gemahlen. Zubereitet wird das Heißgetränk dann wie Bohnenkaffee.

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