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Teurer Tadel: Bloggerin nach Restaurant-Kritik zu Geldstrafe verdonnert

Individuelle Erfahrungsberichte sollen anderen Menschen Orientierung bieten. Eine französische Bloggerin landete nach einem negativen Post jedoch vor Gericht - und musste tief in die Tasche greifen.

Nach dem Restaurantbesuch schnell die eigenen Erfahrungen posten - einer Französin wurde dies zum Verhängnis

Nach dem Restaurantbesuch schnell die eigenen Erfahrungen posten - einer Französin wurde dies zum Verhängnis

Die besten Hotels, die schönsten Sehenswürdigkeiten, das leckerste Essen: Individuelle Erfahrungsberichte im Internet sollen anderen Menschen als Entscheidungshilfe dienen, den eigenen Urlaub möglichst stressfrei und ohne Ärgernisse verleben zu können. Der französischen Bloggerin Caroline Doudet wurde ihre Netzkritik eines italienischen Restaurants jedoch zum Verhängnis - zumindest finanziell.

Im August 2013 hatte Doudet in ihrem Food-Blog "Les Chroniques Culturelles" über ihren Besuch des Restaurants "II Giardino" im französischen Cap-Ferret geschrieben und dabei deutlich gemacht, dass sich dort nicht wohlgefühlt hatte. Man solle die Gaststätte meiden und der Chef sei eine Diva, so ihr damaliges Fazit. Ein Fazit, das sie ein gutes halbes Jahr später rund 2500 Euro kosten sollte. Denn: Der Restaurant-Betreiber ging vor Gericht und klagte, Doudets negativer Eintrag habe seinem Geschäft großen Schaden zugefügt, weil er bei Google als einer der ersten Suchtreffer angezeigt werde.

Doudet spricht von bedenklicher Entwicklung

Das Gericht im französischen Bordeaux gab dem Gastronom Recht, verhängte die Geldstrafe (inklusive Gerichtskosten) und bat die Bloggerin zudem darum, den Titel ihres Posts ("The Place to Avoid in Cap-Ferret: II Giardino" – "Was Sie in Cap-Ferret unbedingt meiden sollten: II Giardino") zu ändern. Doudet, die die Strafe inzwischen bezahlt hat, löschte den Eintrag daraufhin, "weil es technisch einfacher ist, als den Titel zu ändern", erklärte die Französin gegenüber dem Blog "Eater".

Dass sie die erste unprofessionelle Schreiberin ist, die wegen einer negativen Kritik zur Kasse gebeten wurde, sieht Doudet als Teil eines wachsendes Problems im Bereich der freien Meinungsäußerung. "Ich finde es wirklich bedenklich, wenn wir nicht länger die Freiheit haben, zu schreiben", so die Bloggerin, um auszuführen: "Es ist doch klar, dass Menschen Plätze verdächtig finden, die ausschließlich positive Kritik bekommen."

Für das Restaurant ging der Schuss übrigens nach hinten los. Auf Touristikwebsites wie TripAdvisor und auch auf Google+ bekommt das "II Giardino" seit Bekanntwerden des Urteils fast ausschließlich negative Beurteilungen - nicht selten mit einem dezenten Hinweis auf Caroline Doudets folgenreichen Post.

mod
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