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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht!: Tag 35-36: Vegan, Waschbrettbauch und Ente

Derik hat seine Halbzeit verpasst, bis ihn ein Kollege darauf aufmerksam machte. Derik fühlt sich einfach zu gut. Sein Fazit: Vegan leben ist einfacher als gedacht. Vielleicht auch in Zukunft.

Von Derik Meinköhn

Ein Freund fragte mich neulich, wie lange musst du noch? Da musste ich erst einmal überlegen und habe gemerkt, dass ich ja schon Halbzeit hatte. Normalerweise beginnt man ja nach der Mitte dem Ende entgegen zu sehnen und die letzten Tage zu zählen. Das ist bei mir aber gar nicht so, denn ich fühle mich sehr gut. Und eins ist mir jetzt schon völlig klar: Nach dieser Challenge werde ich auf jeden Fall anders essen als vorher.

Ich nehme auch einige Veränderungen wahr: Mein Geruchssinn hat sich verbessert. Leider ist das nicht immer von Vorteil, denn ich mag plötzlich manche Leute nicht mehr riechen. Seltsam, oder? Ich bin etwas wacher als früher, habe viel mehr Lust Sport zu machen und fühle mich insgesamt leichter. Bin ich leider auch. Ich habe zwei Kilo verloren. Das finde ich gar nicht lustig. Obwohl ein Waschbrettbrauch? Könnte auch ganz nett sein.

Für immer vegan?

Ich erlaube mir gerne auch Scherze über mein veganes Leben im Büro: Letzte Woche trug ich keine Brille, so wie sonst, sondern setzte Kontaktlinsen ein. Ein Kollege fragte mich im Scherz, ob vegane Ernährung auch die Augen verbessern würde. Ich antwortete ihm: "Ich bin mir nicht ganz sicher. Aber als ich heute Morgen aufgewacht bin, konnte ich alles scharf sehen und habe einfach keine Brille aufgesetzt." Das Gesicht hättet ihr sehen sollen.

Eine weitere Veränderung ist, dass ich nicht mehr darüber nachdenken muss, wo mein Fleisch herkommt. Früher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, auch wenn es Fleisch vom Biohof war. Und meine Gedanken gehen auch schon weiter: Ich überlege immer wieder, wie es wäre einfach vegan zu bleiben.

Entenbrust aus Seitan

Auf Facebook bin ich die letzten Tage über ein Produkt gestolpert, dass bei vielen Veganern sehr beliebt ist: Entenbrust aus Seitan. Genau das, was ich nach meinem Wurstexperiment eigentlich vermeiden wollte. Die nachgebaute Merguez', die ich vor ein paar Tagen gemacht habe, führte bei mir nur dazu, dass ich eine echte vermisste. "So-als-ob-Lebensmittel" möchte ich deshalb möglichst nicht essen. Seitan kommt in "Vegan for Youth" nicht vor und Attila hatte mir auch geschrieben, dass er davon nichts hält. Er nannte es "Weizenklops".

Aber meine Neugierde siegte. Ich selbst hatte früher öfter Seitan gegessen, bin aber bisher kein richtiger Freund davon geworden. Die Beschreibungen von der Ente hörten sich aber zu gut an. Erfunden wurde Seitan in Asien. Dort ist es ein fester Bestandteil der vegetarischen Küche. Die Herstellung ist ganz einfach: Man knetet einen Teigklumpen aus Weizenmehl und wäscht ihn im Wasserbad aus. Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen für selbstgemachtes Seitan, die Entenbrust ist aber schon vorfabriziert.

Ich habe sie scharf angebraten und sie war außen wunderbar knusprig. Die "Ente" schmeckte besser als jedes Seitan-Gericht, das ich vorher gegessen hatte. Aber diese gummiartige Konsistenz und der typische Geschmack von Seitan mit einem Hauch Brühe ist einfach nicht mein Ding. Zur "Ente" gab es Reis-Chia-Bällchen mit Sesammantel, scharf gewürztes Spitzkohlgemüse, Ananas und Erdnusssauce.

Haben Sie Appetit bekommen? Das vollständige vegane Gericht finden Sie auf der nächsten Seite.

Vegane Ente mit Reis-Bällchen, Spitzkohl und Erdnuss

Zubereitung und Zutaten

Die Bällchen bestehen aus garem, klebrigem Natur-Reis, die ich mit Chia-Samen verfeinert habe. Wenn der Reis handwarm ist, wird er geformt und in Sesam gewälzt.

Für die Erdnusssauce habe ich nur ein grobes Rezept, denn ich verändere es immer mal wieder. Die Sauce schmeckt übrigens auch sehr gut zu Salat, Gemüse und Tofu.

  • 1 kleine Zwiebel braun anbraten.
  • 1 Knoblauchzehe mitbraten bis sie braun wird.
  • Zitronengras, Ingwer, ein Blatt Kafirlimone und etwas Chili kurz mitschmoren.
  • Mit einem kleinen Glas Wasser ablöschen.
  • 2-3 EL Erdnussbutter hinzugeben und etwas kochen.

Je nach gewünschter Konsistenz mehr Wasser oder mehr Erdnussbutter nehmen. Nach Geschmack salzen. Dazu passt Ketjap manis, eine süße indonesische Sojasauce. Die Sauce kann man gut mit Tamarinde, Zitronensaft oder auch Palmzucker variieren, je nach Laune. Ich koche sie meistens so wie oben beschrieben und achte darauf, dass die Zwiebeln eine schöne braune Farbe bekommen, das gibt einen guten Geschmack.

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