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Winzerinnen in Bordeaux: "Ich arbeite in einer Macho-Welt" – Wie diese junge Winzerin die Weinwelt aufmischt

Die Winzer der Generation Y haben studiert und die Welt gesehen. Warum die junge Generation selbstbewusster Winzerinnen die alte vor den Kopf stößt und mit frischen Konzepten die Weinszene erobert. 

Von Birgit Holzer

"Ich arbeite in einer Macho-Welt", sagt Winzerin Caroline Bourcier

"Ich arbeite in einer Macho-Welt", sagt Winzerin Caroline Bourcier

Anfangs galt sie bei älteren Kollegen nur als das "Bourcier-Mädchen". Als Tochter eines angesehenen Winzers in Saint-Androny bei Bordeaux, die sich zwar im Weingeschäft auskennt, aber bei Messen weniger verkauft als ihr Vater. "Ich arbeite in einer Macho-Welt", sagt Caroline Bourcier achselzuckend.

Die 28-Jährige mischt diese Welt auf als Vertreterin einer jungen Winzer-Generation, die zwar wie ihre Eltern die mühselige Arbeit in den Weinbergen von klein auf kennengelernt hat. Doch sie reiste und studierte internationalen Handel, bevor sie vor fünf Jahren in die Heimat zurückkam, den Kopf voller neuer Ideen. Gemeinsam mit ihren Eltern und den Brüdern Thomas und Laurent betreibt sie die 38 Hektar des "Château Haut-Bourcier". Den Export hat sie mit einem raffinierten Marketing-Einfall angekurbelt: "Unser Name ist über die ganze Welt verstreut. Also habe ich 1700 Bourcier angeschrieben – in den USA, Kanada, Brasilien. Daraufhin bestellten viele Flaschen mit ihrem Namen auf dem Etikett. Sie sind treue Kunden." Außerdem kümmert sich die junge Mutter eines kleinen Sohnes um die fünf Gästezimmer des Anwesens: Der Önotourismus gewinnt in der Region an Bedeutung. 

Generationenwechsel: Pauline Dietrich (rechts) absolvierte sie einen Abschluss an der Wirtschafts-Elitehochschule HEC in Paris, studierte Önologie in Montpellier und arbeitete zwei Jahre in Singapur. Jetzt übernimmt sie das Weingut ihres Vaters Michel Dietrich (links).

Generationenwechsel: Pauline Dietrich (rechts) absolvierte sie einen Abschluss an der Wirtschafts-Elitehochschule HEC in Paris, studierte Önologie in Montpellier und arbeitete zwei Jahre in Singapur. Jetzt übernimmt sie das Weingut ihres Vaters Michel Dietrich (links).


Bordeaux: Vorteil und Last zugleich

Das Weingebiet von Bordeaux mag das renommierteste Frankreichs sein – der traditionsreiche Name gilt als "Vorteil und Last zugleich", sagt Nathalie Escuredo, die an der Weinschule von Bordeaux unterrichtet: "Man muss einerseits das hohe Niveau halten und andererseits das Image modernisieren. Das gelingt dank der jungen Winzer."

Zu ihnen gehört auch Pauline Dietrich, die seit diesem Frühjahr im 80 Hektar großen Weinberg ihrer Eltern mitarbeitet. Zuvor absolvierte sie einen Abschluss an der Wirtschafts-Elitehochschule HEC in Paris, studierte Önologie in Montpellier und arbeitete zwei Jahre in Singapur. "Ich hätte noch länger im Ausland bleiben können, aber hier fühlte ich mich nützlicher", sagt die 28-Jährige. In den letzten Monaten arbeitete sie daran, dass ihr "Château Haut-Rian" ein Zertifikat der Vereinigung "Terra Vitis" erhält, das für nachhaltige Landwirtschaft steht.

Die Jungen wollen es umweltfreundlich

Als Praktikantin hinterließ Manon Deville einen bleibenden Eindruck. Heute ist sie technische Direktorin des Château de la Rivière in Fronsac bei Bordeaux. 

Als Praktikantin hinterließ Manon Deville einen bleibenden Eindruck. Heute ist sie technische Direktorin des Château de la Rivière in Fronsac bei Bordeaux. 

Die Bemühungen um umweltfreundliche Weinherstellung ist dem Winzer-Nachwuchs von Bordeaux gemein. Das trifft auch auf Manon Deville zu, die nicht aus familiären Gründen ins Weingeschäft kam – sondern aus Leidenschaft. Vor drei Jahren wurde die heute 27-Jährige zur technischen Direktorin des Château de la Rivière in Fronsac bei Bordeaux befördert, wo sie als einstige Praktikantin mit ihrer energischen Art einen bleiben Eindruck hinterlassen hatte. Nun überwacht Manon Deville die gesamte Produktionskette von der Pflege des Rebstocks bis zur Abfüllung, und ist auch für das Personal zuständig.

Die Verwendung chemischer Produkte fuhr sie so weit wie möglich zurück. "Das erste Jahr musste ich hart kämpfen, um mich bei den älteren und ausschließlich männlichen Kollegen durchzusetzen", erzählt sie. Heute sei sie akzeptiert – als junge Frau in der Welt des Weines, die sich dank Persönlichkeiten wie ihr im Wandel befindet. 

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Birgit Holzer
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