HOME

Nie wieder ...: ... Prosecco

Prickelnde Erfrischung? Champagner für Normalverdiener? Nichts da: Prosecco ist der größte Kollateralschaden der deutsch-italienischen Weingeschichte.

Weltmeister ist Ita lien! Und nicht nur im Fußballspielen. Auch in der Disziplin Prosecco bringen unsere Nachbarn echte Spitzenleistungen. In der Region Veneto peitschen sie diese Rebsorte auf einen Ertrag von 25 000 Litern pro Hektar hoch - das sind acht Flaschen pro Rebstock, Hilfe! Davon trinken die Italiener allerdings kaum etwas. Sie exportieren ihn lieber. Nichts daran auszusetzen, wenn das Zeug was taugen würde.

Doch bevor wir in dieses delikate Thema eintauchen, eine Zusatzinformation: In der gesetzlich definierten Region DOC Prosecco di Conegliano-Valdobbiadene können pro Jahr rund 38 Millionen Flaschen erzeugt werden. Dieser Prosecco ist das Original und qualitativ in Ordnung. Allerdings reichen die winzigen Mengen, die Bauern hier aus ihren pittoresken Weinbergen quetschen, dummerweise nicht, um den Durst der Welt zu stillen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass unter dieser Herkunftsbezeichnung viel mehr Prosecco verkauft wird, als dort produziert werden kann.

Er stinkt nach Fäulnis und Muff und Dauerwelle beim Friseur

Weil die Prosecco-Industrie außerhalb dieser Zone genau weiß, wie schwach ihr Prickler auf der Brust ist, verhübscht sie die Granulatkorken mit blöden Bindfäden, damit doofe deutsche Kunden denken: "Wenn schon einer diese niedlichen Fäden um die Korken bindet - wahrscheinlich die Oma vom Winzer -, dann muss es ja gut sein." Aber dieses Zeug ist nicht gut und billig, sondern klebrig, und stinken tut es auch. Nach Fäulnis und Muff und Dauerwelle beim Friseur. Und weil es zu teuer wäre, geben sich die Multis oft nicht einmal mehr die Mühe, wenigstens die fiesesten Hefeböckser mit Schönungsmitteln zu übertünchen - frei nach dem Motto: Das ist ja eh nur für die Deutschen, und die lieben faule Eier! Die freuen sich ja auch wie die Weltmeister über einen dritten Platz bei der WM. Und so wurde aus Prosecco der größte Kollateralschaden der deutschitalienischen Weingeschichte. Gegen den waren Lambrusco und Asti Spumante echte Waisenknaben. Arbeitergetränke - die Generation vor uns hat sie einfach weggetrunken und den Sumpf trockengelegt. Dafür: Danke!

Der Prosecco aber wildert heute vor allem im Angestelltenmilieu. Bei After-Work-Partys trinken sich die Prosecco-People ihr Single-Dasein schön und gaukeln sich auf den Barhockern Champagnerlaune vor, allerdings eine mit bitterzarter 4711-Note und einem kräftigen Make-up aus Restzucker.

Symptomatisch für Prosecco ist sein Hang zur Inflation. Immer wenn es schlimmer nicht mehr werden kann, läutet irgendeiner die nächste Runde ein. Wie Günther Aloys mit seiner Idee, Prosecco in Dosen zu füllen. Der Aloys aus Ischgl, 53, ist ein Hoteldirektor mit auffallend hellem Haar und steht auf Blondinen. Darum hat er Paris Hilton angebaggert, weil die auch zu goldenen Minidosen passt. Jetzt läuft sie Reklame für ihn, macht sie sehr hübsch, solange sie nur den Mund dabei hält. Ziemlich clever, nur so bleibt man von der klebrigen Brause verschont. Einfach den Mund halten! Das muss das Glamourgirl erst noch lernen: "I love to drink it with a straw!", gestand sie im goldenen Dirndl bei der deutschen Markteinführung. Mit dem Strohhalm! Wozu, wenn er doch schon aus dem Glas nicht schmeckt?

Cornelius und Fabian Lange/print