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Raimonds Tomsons : Das ist der beste Sommelier Europas – dabei gibt es in seinem Land gar keinen Wein

Raimonds Tomsons kommt aus Lettland, einem Land das eher für Bier und Hochprozentiges bekannt ist als für Wein. Trotzdem hat er sich dem Rebensaft verschrieben. Mit Erfolg. Der stern hat mit ihm gesprochen, warum Restaurants Sommeliers brauchen und welchen Wein er am liebsten trinkt.

Der Lette Raimonds Tomsons ist Europas bester Sommelier

Der Lette Raimonds Tomsons ist Europas bester Sommelier

Raimonds Tomsons, Sie sind Europas bester Sommelier, weltweit sogar auf Platz drei. Was bedeutet dieser Titel - und warum haben Sie ihn verdient?

Raimonds Tomsons: Das ist eher eine Frage für die Jury (lacht). Für mich persönlich bedeutet es, dass man alles erreichen kann, egal woher man kommt. Ich stamme aus Lettland, einem Land, in dem kein Wein produziert wird. Und trotzdem war es mir möglich diesen Titel zu gewinnen. Das erfüllt mich mit Stolz. Die Auszeichnung ist extrem wichtig für mich, weil ich die Möglichkeit habe, zu reisen, mein Land in der Welt zu repräsentieren - und mein Wissen über Wein auszutauschen und zu erweitern.

Sie sagen es selber, in Lettland ist Weinkonsum nichts Alltägliches. Was hat Ihr Interesse am Wein geweckt?

In Riga habe ich in einem Restaurant gejobbt. Mein Küchenchef war sehr ambitioniert, wir reisten zusammen, und durch ihn wuchs mein Interesse am Wein. Ich studierte im Ausland und sog alles auf, was es zum Thema Wein gab. Und probierte natürlich ständig ...

Und zuvor haben sie wohl noch keinen Schluck Wein getrunken.

Nicht wirklich. Lettland ist ein Bier- und Spirituosenland. Aber in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren boomt auch das Weingeschäft hierzulande. 2002 wurde eine Sommelier-Vereinigung gegründet, das Interesse der Gäste und auch der Experten ist seitdem sehr gewachsen. 

Sie sind seit 20 Jahren im gleichen Restaurant ...

Ja, erst arbeitete ich als Kellner, dann als Oberkellner, schließlich wurde ich Chef-Sommelier. Ich absolvierte ein Weinzertifikat in Österreich und bin seitdem Mitglied der internationalen Sommelier-Community. Das ist wichtig, wenn man an europäischen und globalen Wettbewerben teilnehmen möchte. Dort kommen die besten Sommeliers der Welt zusammen. Es sind gewissermaßen die olympischen Spiele der Weine. 

Warum glauben Sie, dass ein Restaurant einen Sommelier braucht?

Ein guter Sommelier öffnet nicht nur Weinflaschen, sondern fungiert auch als Manager. Er gibt sein Know-How ans Team weiter und kümmert sich um alles, was mit Getränken zu tun hat. Zudem muss er eine gute Beziehung zum Küchenchef pflegen, das ist nicht immer einfach.

Warum nicht?

Weil sowohl der Küchenchef als auch der Sommelier starke Charaktere in der Restaurantlandschaft sind. Sie haben ihren eigenen Geschmack, ihre eigenen Visionen. Sie verstehen sich beide als Künstler. Das muss harmonieren und beide müssen als Team zusammenarbeiten.

Wenn ein Gast nichts über Wein weiß, welchen empfehlen Sie ihm dann?

Ich hoffe, der Gast interessiert sich zumindest ein bisschen für Wein. (lacht) Ich empfehle immer einen Wein zu kaufen, den man mag oder den man einfach mal ausprobieren möchte. Der Gast sollte eine Flasche kaufen und die Basis-Infos herausfinden: Um welche Rebsorte handelt es sich. Woher kommt der Wein? Aber wer wirklich Wein entdecken möchte, sollte die verschiedenen Weinregionen dieser Welt besuchen und die Arbeit von Winzern erstmal verstehen lernen. Das hilft dabei, Wein schätzen zu lernen.

Wie suchen Sie den perfekten Wein für ein Gericht aus?

Das kommt immer auf das Gericht ein. Man muss verstehen, was mit der Säure, dem Zucker, der Bitterkeit, den Tanninen und dem Alkohol passiert, wenn man den Wein mit bestimmten Zutaten kombiniert. Am besten klappt das, wenn man regionales Essen mit den Weinen der Region kombiniert. 

Welcher ist Ihr Lieblingswein?

(lacht) Wenn ich eine Flasche Wein auf eine Insel mitnehmen müsste, dann wäre es zu 90 Prozent ein Champagner. Fragen Sie mich nicht, welche Marke. (lacht) Champagner aber hat etwas Magisches an sich.

Gibt es Weine aus bestimmten Regionen, die sie besonders gern mögen?

Ja, beispielsweise finde ich deutsche Rieslinge toll. Generell sind Deutschland genauso wie Österreich großartige Länder für Weißweine. Ich mag vor allem die Weine aus der "alten Welt", also aus Europa. Weil Wein für mich Geschichte bedeutet. Deshalb schmecken mir die Weine aus europäischen Ländern auch besser. Aber am Ende ist das Geschmackssache.

Lettland ist kein Weinland, wie es beispielsweise Frankreich. Stehen Sie in Ihrem Job dadurch vor größeren Herausforderungen?

Im Gegenteil. Ich bin etwas entspannter als meine Kollegen aus Weinländern. Mein Geist kann sich freier und kreativer entfalten. Die Einheimischen vertrauen und respektieren mich. Mir ist es wichtiger, mein Land in der Welt zu repräsentieren.