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Probleme wegen Corona-Auflagen: "Wenn die Bars und Kneipen weg sind, wird Hamburg zum Provinznest absinken"

Seit zwei Wochen dürfen in Hamburg die Bars und Kneipen wieder öffnen. Doch der Personalaufwand ist wegen der Corona-Auflagen groß, die Einnahmen überschaubar. Nun wenden sich die Betreiber mit einem offenen Brief an den Senat.

Das Ende einer Nacht: zwei leere Shotgläser in einer Bar auf der Reeperbahn

Zwei leere Shotgläser in einer Bar auf der Reeperbahn. Ausgedehnte Kneipentouren sind unter Corona-Auflagen derzeit nicht möglich - das wird für die Betreiber zum Problem.

Das Nachtleben gehört zu Hamburg wie der Fischmarkt und das Franzbrötchen. Zigtausende Touristen feiern jedes Jahr in den Clubs der Stadt, besuchen Konzerte, lassen es beim Junggesellenabschied krachen. Die Bars und Kneipen der Hansestadt wurden zu Schauplätzen von Filmen und Romanen - man denke nur an Heinz Strunks Bestseller "Der Goldene Handschuh".

Doch seit der Corona-Krise ist alles anders. Im März mussten viele Läden Hals über Kopf schließen, danach folgten lange Wochen der Ungewissheit. Seit 12. Mai dürfen Restaurants und Schankwirtschaften zwar unter strengen Auflagen wieder öffnen - doch nach zwei Wochen ist allen Beteiligten klar: Das lohnt sich nicht. Zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen.

Betty Kupsa (Mitte), Wirtin der Bar "The Chug Club" spricht neben weiteren Bar- und Kneipenbetreibern vom Bündnis "Barkombinat Hamburg".

Betty Kupsa (Mitte), Wirtin der Bar "The Chug Club" spricht neben weiteren Bar- und Kneipenbetreibern vom Bündnis "Barkombinat Hamburg".

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Zwischen Infektionsschutz und Wirtschaftlichkeit

Nun haben sich mehr als 70 Hamburger Bars und Kneipen zum Barkombinat zusammengeschlossen, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Der Name ist eine Hommage an das "Clubkombinat", das sich seit Jahren für die Hamburger Musik-Clubs der Hansestadt einsetzt. Mit einem offenen Brief wenden sich die Gastronomen in Not an den Senat: "Wir als Gastronom*innen nehmen den Infektionsschutz verdammt ernst, aber du, Senat, wälzt die Verantwortung mit der Lockerung auf uns ab."

Seit den ersten Lockerungsmaßnahmen sei man nicht nur als Gastronom tätig, sondern müsse zugleich auch für Ordnung, Sicherheit, Hygiene und Datenschutz sorgen - und das bei gleichzeitig niedrigeren Einnahmen.

Sonja Rosebrock, Inhaberin der Szene-Bar "Möwe Sturzflug", sagte gegenüber "Hamburg 1": "Wir müssen die ganzen Hygieneregeln einhalten, dadurch braucht man eine Person extra, die nicht bedient und nicht für Getränke zuständig ist - und das, obwohl die Umsätze teilweise nur 20 Prozent ausmachen". Weniger Gäste, mehr Aufwand - man muss nicht BWL studiert haben, um festzustellen, dass das nicht lange gut geht.

In dem offenen Brief zeichnen die Initiatoren ein düsteres Bild. Darin heißt es an den Senat gerichtet: "Willst du zusehen, wie eine Kneipe, eine Bar nach der nächsten in die Knie geht und Insolvenz anmeldet?" Denn seien die Läden erst einmal geschlossen, "wird Hamburg zum Provinznest absinken", so die Prognose des Barkombinats. "Das war's dann mit dem aufregenden Tor zur Welt."

Gastronomie in Hamburg braucht mehr Unterstützung

Die Coronaverordnung des Hamburger Senats sieht etwa vor, dass Gäste, die nicht aus demselben Haushalt stammen oder von weiteren Personen aus einem anderen Haushalt begleitet werden, innerhalb von Gastronomiebetrieben anderthalb Meter Abstand voneinander halten. Das Personal muss außerdem bei Kundenkontakt eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen und mehrmals täglich häufig benutzte Flächen wie etwa Türklinken und Tische desinfizieren. Insgesamt seien die Auflagen so hoch, dass das Produkt Bar "kaputt" sei, schreiben die Initiatoren.

Whiskey Sour

Eine vieldiskutierte Lösung sei die Ausweitung von Außenflächen. Denn viele Gäste würden sich an der frischen Luft sicherer fühlen als in geschlossenen Räumen, heißt es von Seiten mehrerer Barbetreiber. Das Problem: Viele Schankwirtschaften haben keine oder nur knapp bemessene Terrassen. Ein Problem, das in einigen Städten auf kreative Art gelöst wird: In Berlin etwa wurden einige Straßen und Parkplätze für diesen Sommer kurzerhand zu Gastromeilen umfunktioniert. Auf ähnliche Regelungen hoffen nun auch die Hamburger Gastronomen.

Doch mit mehr Außenflächen allein ist es nicht getan. Das Barkombinat fordert auch finanzielle Unterstützung in Form zusätzlicher Subventionen für die Umsetzung der Corona-Auflagen, Mietzuschüssen und einer rückwirkenden Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent. Der Offene Brief endet mit dem Satz: "Eine Stadt, in der Nachbar*innen und Besucher*innen nicht mehr miteinander einen trinken können, ist mausetot."

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