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Wegen Corona: Französische Winzer müssen zwei Millionen Hektoliter Wein vernichten

Weil in der Coronakrise Bars und Restaurants geschlossen blieben, sitzen französische Winzer auf Millionen unverkauften Litern Wein. Nun haben sie begonnen, den Wein in Desinfektionsmittel umzuwandeln.

In Frankreichs Weinkellern muss Platz für die Herbst-Lese gemacht werden.

Wegen der Coronakrise blieben Bars, Restaurants und Cafés monatelang geschlossen. Das hat nicht nur die Betreiber jede Menge Umsatz gekostet, sondern auch zahlreiche Zulieferer - unter anderem französische Winzer. Medienberichten zufolge lagern allein in Frankreich drei Millionen Liter Wein in den Tanks und Kellern der Nation, die wegen Corona nicht verkauft werden konnten. Das Problem: die Lagerkapazitäten werden für die nächste Weinlese benötigt.

Um Platz zu schaffen, haben sich in Frankreich 33 Betriebe zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Zwei Millionen Hektoliter unverkaufter Wein wurden eingesammelt, um nun destilliert und zu Ethanol und Desinfektionsmittel verarbeitet zu werden.

Weinvernichtung auf EU-Kosten

Die Ausnahmeregelung sei von der EU genehmigt worden, erklärte die französische Regierungsagentur FranceAgriMer, und Brüssel werde die Destillation finanzieren. Winzer haben nun bis zum 19. Juni Zeit, sich für die Regelung zu bewerben und anzugeben, wie viel Liter Wein sie verarbeiten möchten. Die EU bezahlt 78 Euro pro Hektoliter Wein, umgerechnet also 78 Cent pro Liter, mit und 58 Euro für Wein ohne Appellation. 

Der durch das Destillationsverfahren gewonnene Alkohol soll von der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie sowie für die Herstellung von Handdesinfektionsgel verwendet. "Der destillierte Wein wird auf keinen Fall für die Herstellung von Spirituosen verwendet werden", erklärte Didier Josso, Leiter der Weinabteilung von FranceAgriMer. "Wahrscheinlich wird auch das Ethanol gelagert werden müssen, aber die Menge wird deutlich weniger ins Gewicht fallen als bei Wein".

Besonders hart von der Corona-Krise wurde die Region Champagne getroffen, hier wurde während der Sperrzeit ein Rückgang der wöchentlichen Verkäufe um bis zu 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet.

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cf
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