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Mutmaßlicher Mörder von Emden "Er mimte gerne den Coolen"


Wer ist dieser Berufsschüler, der den Mord an einem elfjährigen Mädchen gestanden hat? Gesagt wird: Er war fremd in der Stadt, kein guter Schüler, baute immer nur Mist. Eine Spurensuche in Emden.

"Liebe ist toll", war eine der Seiten, der Jannes Meyer* (Name von der Redaktion geändert) bei Facebook beigetreten war. Im wahren Leben war der 18-jährige Berufsschüler, der gestanden hat, ein elfjähriges Mädchen in einem Emder Parkhaus getötet zu haben, ein Außenseiter. Ein Computerfreak, der kaum Freunde hatte. Die Mädchen wollten nichts von ihm wissen. "Er trug jeden Tag die gleiche schwarze Hose und meistens eine altmodische Strickjacke", erinnert sich eine Klassenkameradin. "Er roch schlecht und mimte gerne den Coolen. Einmal hatte er sich tief in den Finger geschnitten. Doch er meinte nur: Ach, das tut doch nicht weh."

Erst vor etwa einem Jahr war der Teenager aus Nordrhein-Westfalen in die Nähe von Emden gezogen. Jannes Meyer war kein guter Schüler, ging auf die Hauptschule. "Geistig war er nie anwesend, baute immer nur Mist", erinnert sich ein ehemaliger Klassenkamerad. Außerdem soll sich er sich gerne mit Lehrern angelegt haben. "Wenn ihn die Lehrer fragten, was er werden wolle, sagte er nur: 'Das geht Sie gar nichts an'", erzählt ein Mitschüler. Nach dem Hauptschulabschluss ging er auf eine Berufsbildende Schule, Fachrichtung Metall. Gerüstbauer habe er werden wollen, erzählen ehemalige Mitschüler. Doch für seine berufliche Zukunft habe er sich nie wirklich interessiert. Interessiert habe er sich nur für Computer und Manga-Comics.

Ein richtiges Computer-Ass

"Er war ein richtiges Computer-Ass. Wenn wir Probleme hatten mit unseren Computern, wusste er immer eine Lösung", sagt ein ehemaliger Mitschüler. Außerdem war er ein Fan des amerikanischen Action-Schauspielers Chuck Norris. "Wie viel Chuck steckt in Dir", postete Jannes Meyer auf Facebook. Er sei zu 99 Prozent Chuck Norris. "Ist nur der Name der noch fehlt ... Andere spielen wow, ich bin wow."

Nur Stunden bevor der Berufsschüler wegen des Mordes an der Elfjährigen in Emden festgenommen wurde, postete er in kryptischen Deutsch: "Werde mir nun alle Folgen 'Death Note' ansehen. Bin also erst in 736 Minuten oder besser in 12,2 Stunden nicht mehr afk (away from keyboard)". Die Manga-Serie handelt von einem hochintelligenten Schüler, der von der Welt enttäuscht ist. Er will deshalb wie sein Vater Polizist werden und Verbrecher fangen. Doch eines Tages findet er ein schwarzes Notizbuch, das detaillierte Anweisungen enthält, wie man mit Hilfe des Buches einen Menschen töten kann.

Für Jahre "afk"?

Sollte Jannes Meyer wegen Mordes verurteilt werden, wird er mehrere Jahre "away from keyboard" sein. Sollte der 18-jährige noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, drohen ihm zehn Jahre Gefängnis.

ukl

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