Man springt über Feuer, knotet Sprossen und trägt neue Kleidung: Am 20. März 2026 beginnt das persische Neujahr mit seinen 13-tägigen Feierlichkeiten. Trotz des aktuellen Krieges im Iran bleibt das Fest für viele ein Symbol von Neubeginn und Hoffnung. Den Vereinten Nationen zufolge feiern jedes Jahr mehr als 300 Millionen Menschen weltweit Nowruz. Die UN-Generalversammlung erklärte im Jahr 2010 den 21. März zum Internationalen Nowruz-Tag.
Wann genau der persische Jahreswechsel gefeiert wird, variiert von Jahr zu Jahr, da er von der Tagundnachtgleiche im Frühling abhängt. Beim Äquinoktium, so der wissenschaftliche Begriff, sind Tag und Nacht nahezu gleich lang. Es richtet sich nach der exakten Position der Erde in ihrer Umlaufbahn um die Sonne und fällt jedes Jahr leicht unterschiedlich aus (zwischen dem 20. und 22. März). Im Iran wird der exakte Zeitpunkt auf die Stunde und Minute genau berechnet.
Nowruz steht für Erneuerung, Hoffnung und das Wiedererwachen der Natur nach dem Winter. Der Begriff ist ein Akronym aus den persischen Begriffen „now“ (neu) und „ruz“ (Tag). Der Feiertag hat seine Wurzeln im Persischen Reich. Seit über 3000 Jahren feiern Menschen das Neujahrsfest im Iran, in Aserbaidschan, Afghanistan, Tadschikistan und Zentralasien sowie in kurdischen, turksprachigen, uigurischen und parsischen Gemeinschaften weltweit.
Nowruz ist mit einer Vielzahl von Ritualen und Bräuchen verbunden, welche von Region zu Region variieren können:
„Kuku Sabzi“ oder „Sabzi Polo“, die kräuterreichen Gerichte
Eines der beliebtesten Gerichte, das am Vorabend von Nowruz gegessen wird, ist „Sabzi Polo“. Das Reisgericht wird mit frischen Kräutern wie Koriander, Petersilie und Dill zubereitet und traditionell mit gebratenem Fisch gegessen. Viele Familien servieren an diesem Abend auch „Kuku Sabzi“, eine persische Kräuterfrittata aus Koriander, Petersilie, Dill, Walnüssen, Berberitzen und Eiern. Die Kräuter in den Gerichten symbolisieren Wiedergeburt.
„Khane Tekani“, der Frühjahrsputz
Bereits zwölf Tage vor dem Fest werden Möbel gerückt und das gesamte Haus wird gründlich gereinigt – ähnlich einem Frühjahrsputz. Laut den UN ist dieser Brauch als „Abschütteln des Staubes“ der Vergangenheit bekannt. In diesem Zusammenhang werden auch neue Kleidungsstücke gekauft und zu Nowruz getragen, um einen Neuanfang zu symbolisieren.
„Charshanbe Suri“, das Feuerfest
Am letzten Dienstagabend vor dem persischen Neujahr wird das Feuerfest „Chaharshanbe Suri“ begangen. An verschiedenen Orten entzünden die Menschen Lagerfeuer, über die Jung und Alt springen – ein Symbol dafür, dass das Licht die Dunkelheit besiegt und der Winter endet. Dabei wird gesungen, getanzt und gemeinsam gefeiert.
„Haft-Sin“, die symbolträchtige Tafel
Die wohl bekannteste Tradition zum persischen Neujahrsfest ist „Haft-Sin“. Dabei handelt es sich um einen Tisch, der mit sieben symbolischen Gegenständen gedeckt wird. „Haft“ bedeutet auf Persisch sieben – eine Zahl, die im persischen Kulturraum als heilig und glücksbringend gilt. Alle Gegenstände auf der Tafel beginnen mit dem persischen Buchstaben „س“ (sīn), der wie ein scharfes „S“ ausgesprochen wird. Jeder dieser Gegenstände symbolisiert einen besonderen Aspekt des Lebens.
Die sieben „S“-Gegenstände und ihre Symbolik:
- „Sib“, der Apfel: steht für Gesundheit und Schönheit,
- „Sir“, der Knoblauch: steht für Schutz und Heilkraft,
- „Serkeh“, der Essig: steht für Geduld und Langlebigkeit,
- „Somāq“, das Gewürz Sumach: steht für den Sonnenaufgang und Neuanfänge,
- „Sabzeh“, die (Weizen-, Linsen- oder Gersten-)Sprossen: stehen für Wachstum und Wiedergeburt,
- „Senjed“, die Mehl-/Silberbeere (getrocknete Oleaster-Früchte): stehen für Liebe und Weisheit,
- „Samanu“, der Weizenkeimpudding: steht für Kraft und Wohlstand.
Ergänzend zu den „S“-Gegenständen finden sich auf der Tafel oft:
- Hyazinthen („Sonbol“) als Symbol für Freundschaft und den beginnenden Frühling,
- Münzen („Sekke“) für Wohlstand,
- Kerzen („Shamh“) für Erleuchtung,
- bemalte oder eingefärbte Eier („Tokhm-e morgh-e rangi“) für Fruchtbarkeit,
- rote Goldfische („Mahi ghermez“) für Leben und Fortschritt,
- ein Spiegel („Ayineh“) für Reflexion und Wahrheit,
- süßes Gebäck („Shirini“) für Freude
- und ein Buch („Ketab“) – meist der Koran, „Der Diwan“ von Hafis, das „Schāhnāme“ des Dichters Ferdousi oder das „Avesta“, die heilige Schriftensammlung des Zoroastrismus – für Weisheit.
„Eid-Didani“, Besuch der Älteren
Die Neujahrsfestlichkeiten dauern 13 Tage. In dieser Zeit besuchen Familie und Freunde einander, wobei der Besuch traditionell im Haus der ältesten Person beginnt. Diese Neujahrsbesuche werden „Eid-Didani“ genannt.
„Eidi“, die Geschenke
Was wäre ein Fest ohne Geschenke? Besonders Kinder freuen sich über das „Eidi“, das sie von Eltern, Großeltern und Verwandten erhalten. Meist handelt es sich dabei um Geldgeschenke, die von den älteren Familienmitgliedern in den Koran gelegt werden.
„Sizdah Be-dar“, der 13. Tag
Am 13. Tag endet das Neujahrsfest mit dem „Sizdah Be-dar“, was so viel bedeutet wie „die Dreizehn loswerden“. An diesem Tag zieht es viele Menschen in Parks und ins Freie, wo sie picknicken und die Sprossen mitnehmen, die sie für das neue Jahr gezogen haben. Während man sich etwas wünscht, werden die Sprossenhalme geknotet. Anschließend werden sie in einen Fluss geworfen – als Zeichen dafür, das Alte loszulassen und mit Zuversicht in das neue Jahr zu starten.