Olympia 1972 Er sollte mögliche Bedrohungsszenarien entwickeln – und wird am Ende selbst verdächtigt

Polizeipsychologe Georg Sieber, 87, warnte frühzeitig vor dem Angriff eines palästinensischen Terrorkommandos bei Olympia 1972 in München
Polizeipsychologe Georg Sieber, 87, warnte frühzeitig vor dem Angriff eines palästinensischen Terrorkommandos bei Olympia 1972 in München
© imago
Für Olympia 1972 entwickelte der Kriminalpsychologe Georg Sieber eine Liste mit möglichen Bedrohungs-Szenarien – unter anderem die "Lage 21", die einen Anschlag palästinensischer Terroristen beschrieb. Im Gespräch mit dem stern spricht er über das Chaos im Krisenstab, warum seine Szenarien im Vorfeld ignoriert wurden und wie er am Ende sogar selbst verdächtigt wurde.

Herr Sieber, Sie bekamen im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 den Auftrag, verschiedene Bedrohungsszenarien zu entwerfen. Wie kam es dazu?
Ich war als Berater der Münchener Polizei im Auftrag des Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel im Polizeipräsidium München eingesetzt. Im Hauptberuf leitete ich eine neutrale Studiengruppe für politologische Psychologie und Kommunikationsforschung. Laut Vertrag war ich nun für die Ausbildung des olympischen Ordnungsdienstes zuständig, circa 3.000 Dienstkräfte von Polizei und Grenzschutz, die als Damen und Herren in himmelblauen Anzügen auf dem Olympiagelände eingesetzt wurden. Eines Tages hieße es: "Schreiben Sie doch mal auf, was schlimmstenfalls passieren könnte." Damit wurde es jetzt ernst.

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