Großeinsatz
Fläschchen mit Polonium-Schrift: Warum Tests so lange dauern

Bislang ist unklar, ob es sich tatsächlich um das hochgefährliche Strahlengift handelt.(Symbolbild) Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bislang ist unklar, ob es sich tatsächlich um das hochgefährliche Strahlengift handelt.(Symbolbild) Foto
© Kay Nietfeld/dpa
Ein Fläschchen mit "Polonium 210"-Aufschrift taucht in einem Vorgarten auf. Warum der Fund für Aufregung sorgt – und warum sich Experten und Ermittler jetzt in Geduld üben müssen.

Nach dem Fund eines Fläschchens mit der Aufschrift "Polonium 210" in Vaihingen an der Enz und einer vorsichtigen Entwarnung dürften sich die abschließenden Tests durch Spezialisten hinziehen. "Ergebnisse werden aller Voraussicht nach nicht vor kommendem Dienstag vorliegen", sagte eine Sprecherin des zuständigen baden-württembergischen Umweltministeriums der Deutschen Presse-Agentur. 

Am Vortag hatte die Behörde bereits mitgeteilt, nach einer ersten Betrachtung gingen Fachleute nicht vom hochgefährlichen Strahlengift Polonium 210 aus. Sicher sei das aber noch nicht. 

Das Fläschchen wird nun zunächst vom Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamts untersucht. "Im Anschluss kommt der Fund zur Analyse des Inhalts zur Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe", sagte die Sprecherin.

Fund bei der Ostereiersuche 

Zwei Männer hatten das Fläschchen nach Angaben der Polizei am Ostersonntag in einem privaten Vorgarten nordöstlich von Stuttgart gefunden und sofort den Notruf verständigt. Die Feuerwehr hatte den Inhalt zunächst noch als echt eingeschätzt, weil das Behältnis aus ihrer Sicht zum Stoff passe und ein ähnliches Gewicht habe. Messungen im Umfeld des Fläschchens waren nach dem Fund aber negativ ausgefallen.

Die LUBW wird den Inhalt des Fläschchens laut Ministerium nach einer chemischen Aufbereitung mittels der sogenannten Alphaspektrometrie analysieren. In dem aufwendigen Verfahren wird gemessen, wie viele Alphateilchen von einem Material ausgesendet werden. So lässt sich herausfinden, welche radioaktiven Stoffe darin enthalten sind. Eine Gefahr durch eine äußere Strahlenexposition bestehe nicht, sagte die Ministeriumssprecherin. "Po-210 ist daher messtechnisch aber auch nur schwer nachweisbar."

Sollte in dem Fläschchen tatsächlich Polonium 210 nachgewiesen werden, wird der Stoff nach Behördenangaben dekontaminiert und fachgerecht entsorgt. Bereits jetzt ermittelt die Polizei, wie das Fläschchen in den Vorgarten gelangen konnte. 

Putin-Kritiker Litwinenko starb 2006 nach Polonium 210-Anschlag

Polonium ist ein chemisches Element mit hoher Radiotoxizität und deshalb sehr gesundheitsschädlich. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist der Stoff vor allem dann gefährlich, wenn er eingeatmet oder aufgrund offener Wunden über die Haut aufgenommen wird. Schon ein Millionstel Gramm Polonium 210 kann einen Menschen töten - laut BfS innerhalb weniger Tage. Der Putin-Kritiker und frühere Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit Polonium 210.

dpa