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Übergewicht bei Kleinkindern: Risikofaktor Fläschchen

Wissenschaftler raten dazu, Babys nicht zu lange mit dem Fläschchen zu füttern. Eine Studie zeigt: Wer mit zwei Jahren noch regelmäßig daran nuckelte, war später eher fettleibig.

Nach einem Jahr sollte mit dem Fläschchen Schluss sein, raten Forscher

Nach einem Jahr sollte mit dem Fläschchen Schluss sein, raten Forscher

Übergewicht und Fettleibigkeit sind auch bei Kindern ein großes Problem: Jedes sechste bis siebte Kinder bringt in Deutschland mittlerweile zu viele Kilos auf die Waage, sechs Prozent sind fettsüchtig. Die Ursachen dafür sind in erster Linie eine schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung. Doch Wissenschaftler wollen nun einen weiteren Risikofaktor ausgemacht haben: Mit zwei Jahren noch regelmäßig aus dem Fläschchen zu trinken, erhöhe das Risiko für Übergewicht im Kleinkindalter, schreiben US-Wissenschaftler im "Journal of Pediatrics".

Für ihre Studie haben Forscher um Rachel Gooze von der Temple University in Philadelphia Daten von 6750 Kindern analysiert, die alle 2001 in den USA geboren wurden und an einer großen Langzeitstudie teilnahmen. Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen einem häufigen Nuckeln an der Flasche bis zu einem Alter von zwei Jahren und dem Risiko, später Übergewicht zu entwickeln.

Mehr Kalorien als nötig

22 Prozent der untersuchten Kinder waren auch im Alter von zwei Jahren noch hartgesottene Flaschenkinder: Sie wurden in erster Linie mit dem Fläschchen gefüttert oder bekamen von ihren Eltern beim Zubettgehen ein - häufig kalorienhaltiges - Getränk in der Flasche. Von ihnen waren mit fünfeinhalb Jahren knapp 23 Prozent übergewichtig. Bei Kindern, die mit zwei Jahren kein Fläschchen mehr nutzen, brachten 16 Prozent zu viele Kilos auf die Waage.

"Kinder, die mit zwei Jahren noch an einem Fläschchen nuckelten, hatten ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, mit 5,5 Jahren übergewichtig zu sein", sagt Robert Whitaker, ein ebenfalls an der Studie beteiligter Wissenschaftler. Dieser Zusammenhang war unabhängig von anderen Einflussfaktoren - wie dem Gewicht der Mutter, dem Geburtsgewicht des Kindes und den Stillgewohnheiten der Mütter während des Säuglingsalters.

Auch nach der Babyzeit noch aus einem Fläschchen zu trinken, animiere Kinder womöglich, mehr Kalorien zu sich zu nehmen als nötig - vor allem wenn das Fläschchen mit kalorienhaltigen Getränken gefüllt sei, vermuten die Forscher. "Ein zweijähriges Mädchen von durchschnittlicher Größe und Gewicht, das abends im Bett noch rund 240 Milliliter Milch zu trinken bekommt, deckt so ungefähr zwölf Prozent ihres Kalorienbedarfs", sagt Gooze.

Keine überzuckerten Getränke ins Fläschchen

Allerdings räumen die Forscher selbst ein, dass ihre Studie Grenzen hat. So sei zum Beispiel nicht bekannt, wie sehr sich die untersuchten Kinder bewegten und wie ihre Ernährung im Detail aussah. Dennoch plädieren die Wissenschaftler dafür, Kinder nach ihrem ersten Geburtstag von der Flasche zu entwöhnen - das schade nicht, könne aber Übergewicht vorbeugen.

Kinder- und Zahnärzte warnen schon seit Langem davor, Kindern überzuckerte Getränke ins Fläschchen zu füllen. Diese sind nicht nur kalorienhaltige Dickmacher, sondern greifen auch die Zähne an. Wenn diese ständig von dem süßen Getränk umspült werden, entsteht schnell Karies.

lea

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