Sie geben sich online oft als minderjährige Mädchen aus, locken ahnungslose Männer bei fingierten Sextreffen in die Falle – und schlagen dann brutal zu. Selbsternannte "Pedo-Hunter", also Pädophilen-Jäger, sorgen seit vielen Monaten in sozialen Netzwerken und auch bei der Polizei für Aufsehen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen vier Männer Anklage unter anderem wegen versuchter Tötungen und erpresserischen Menschenraubs erhoben. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.
Insgesamt werden den Angeklagten 15 Taten zwischen Januar 2024 und Juni 2025 vorgeworfen, begangen in unterschiedlichen Konstellationen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Details zu den Tatverdächtigen nannte sie nicht. Bei der Festnahme Anfang Dezember hatte sie zudem mitgeteilt, es würden weitere 15 Männer und 3 Frauen verdächtigt, beteiligt gewesen zu sein.
Mit Messern und Schlagstöcken
Die damals festgenommenen vier Männer sollen Erwachsene in der Region Stuttgart zu fingierten Sextreffen gelockt, dort ausgeraubt und zum Teil schwer verletzt haben. Sie verabredeten sich demnach auf einem Online-Portal zu den Treffen mit ihren späteren Opfern und gaben sich als junge, meist aber volljährige Frauen aus.
Kurz vor den Treffen sollen sie den ahnungslosen Männern offenbart haben, doch etwas jünger zu sein. Mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffnet sollen sie ihre Opfer bei den Treffen angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt haben.
Drei damals 18-Jährige waren bereits Ende Juni vergangenen Jahres in Stuttgart festgenommen worden, zwei von ihnen wurden bei einem Scheintreffen durch die Ermittlungsgruppe "Teddy" selbst in die Falle gelockt. Der vierte Verdächtige, ein damals 19-Jähriger, wurde erst Monate später in seiner Stuttgarter Wohnung festgenommen.
Sie nennen sich "Pedo-Hunter"
Selbsternannte "Pedo Hunter" geben sich in Fake-Profilen auf Internetportalen oft als minderjährig aus, um mutmaßliche Sexualstraftäter in eine Falle zu locken. Das Aufeinandertreffen wird meist gefilmt und im Internet geteilt. Diese öffentliche Bloßstellung geschieht ohne rechtliche Legitimation.
Denn obwohl sich viele Akteure auf ein moralisches Anliegen berufen, verstoßen sie häufig selbst gegen Strafgesetze – etwa durch Nötigung oder Verleumdung. Die Polizei warnt ausdrücklich vor dieser Form der Selbstjustiz, da sie neben der strafrechtlichen Problematik laufende Ermittlungen gefährden kann.
Polizei: "Masche nur genutzt"
Allerdings seien die Fälle aus der Region Stuttgart damit nicht wirklich vergleichbar, hatte die Polizei nach der damaligen Razzia erklärt. Die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht. Der Begriff "Pedo-Hunter" passe daher nicht, auch wenn der 19-Jährige sich so genannt habe.
"Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben", hatte der Leiter der Ermittlungsgruppe, Mario Teufel, gesagt. Zu möglichen rechtsextremen Bezügen der Verdächtigen machten Polizei und Staatsanwaltschaft bislang keine Angaben.