Müll, Müll, überall Müll: Die Städte werden der immer stärkeren Vermüllung nur schwer Herr. Das Problem nehme seit Jahren zu, sagt der Städtetag.
Städte klagen - und die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Besonders zeigt sich das in Mannheim: Dort etwa stiegen die Fälle wild abgelegten, also unangemeldet einfach irgendwo hinterlassenen Mülls und Sperrmülls zwischen 2021 und dem vergangenen Jahr um 55 Prozent. Fast 4.000 Mal wurden 2025 solche illegalen Müllhaufen entdeckt beziehungsweise gemeldet, wie die Stadt berichtet.
Auch in Ulm nimmt das Problem weiter zu: Während 2021 noch 924 Tonnen illegal entsorgter Müll erfasst wurden, lag die Menge zuletzt bereits bei 1.088 Tonnen; bei Straßenreinigungsabfällen gab es in dem Zeitraum einen Anstieg von knapp 450 Tonnen auf über 750 Tonnen.
Viele Städte beobachten seit der Corona-Pandemie einen spürbaren Anstieg der Vermüllung. In Ludwigsburg etwa habe sich die Lage dauerhaft auf hohem Niveau eingependelt. "Nach Einschätzung der zuständigen Mitarbeitenden hat der Aufwand für die Beseitigung von wildem Müll um rund ein Drittel zugenommen", sagte eine Stadtsprecherin. Besonders problematisch sei die Situation rund um bestehende und ehemalige Standorte von Altkleidercontainern.
Wilder Müll nimmt drastisch zu
Auch Heilbronn meldet eine zunehmende Belastung des öffentlichen Raums. Vor allem stark frequentierte Orte wie Innenstädte, Grünanlagen, Spielplätze, Haltestellen oder Containerstandorte seien betroffen. Im vergangenen Jahr stieg die Menge eingesammelten Mülls aus öffentlichen Abfalleimern und wilden Ablagerungen um mehr als 116 Tonnen auf knapp 700 Tonnen – ein Plus von 21 Prozent. Für 2026 zeichnet sich bereits eine weitere Verschärfung ab: In den ersten vier Monaten wurden monatlich durchschnittlich mehr als 67 Tonnen registriert – deutlich mehr als im Vorjahresdurchschnitt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in anderen Städten Baden-Württembergs. Stuttgart meldete 2025 rund 6.000 Tonnen Abfälle, die die Stadtreinigung aufsammelte (Vorjahr: knapp 5.200). Auch Karlsruhe spricht von einem "deutlichen Anstieg" des Problems vor allem bei wildem Müll: von rund 131 Tonnen 2024 auf 204 Tonnen im vergangenen Jahr.
Städte stemmen sich mit Macht gegen Vermüllung
Die Städte wollen das so nicht hinnehmen und probieren seit Jahren alles Mögliche aus: Müllscouts sind unterwegs, Freiwillige sammeln während regelmäßiger Dreck-weg- oder Frühjahrs-Putzwochen den Müll von Straßen oder Spielplätzen, Putzpatinnen und -paten kümmern sich dauerhaft um bestimmte Flächen im öffentlichen Raum. In Ulm wird direkt an Haustüren geklingelt, wenn es Auffälligkeiten gibt, und im Rahmen der Kampagne "Leb nicht im Müll" werden Plakate aufgehängt und Bewohnerinnen und Bewohner in der Weststadt direkt angesprochen.
In Heilbronn werden Container-Standorte einmal pro Woche oder an Brennpunkten sogar täglich gereinigt. Seit einigen Monaten werden "Waste Watcher" (etwa: Müll-Aufpasser) eingesetzt, die illegalen Müll gezielt nach Hinweisen auf die Übeltäter durchsuchen. In Karlsruhe wurde eine KI-gestützte Reinigungsmaschine ausprobiert. Stuttgart baut derzeit eine "mobile Eingreiftruppe" auf, die gezielt und kurzfristig auf illegale Müllablagerungen reagieren und sie binnen 24 Stunden entfernen soll. Ludwigsburg diskutiert über eine Verpackungssteuer.
Müllscouts, Scanfahrzeuge und Bußgelder
Mannheim geht seit kurzem einen ganz neuen Weg und versucht es mit Scanfahrzeugen. Sie sollen mit Kameras Müll erkennen und speichern dann Ort, Zeitpunkt und Art der Verschmutzung. Reinigungseinsätze sollen so besser planbar sein. Bisher gebe es gute technische Ergebnisse, für eine Bewertung sei es aber noch zu früh, sagt ein Stadtsprecher.
Ganz gut funktioniert hätten sogenannte Sauberkeitsermittler - zumindest mit Blick auf das Stadtsäckel: Diese Saubermänner und Sauberfrauen sind seit zwei Jahren im Einsatz, überprüften bis Ende des vergangenen Jahres rund 6.100 Orte mit illegalem Müll und leiteten 550 Anzeigen an die Bußgeldstelle weiter. Der Stadt nahm dadurch rund 130.000 Euro an Bußgeldern ein.
Wenig Unrechtsbewusstsein, abnehmende Kenntnis zu Mülltrennung
Der Kampf gegen die Vermüllung ist auch ein Kampf gegen fehlendes Unrechtsbewusstsein. Es gebe eine mangelnde Wertschätzung nach dem Motto "Das wird schon jemand wegräumen", heißt es aus Heilbronn. "Viele verbinden Grünflächen oder Straßen nicht mit einem persönlichen Bezug und so geht leider die Verantwortung im Alltag verloren", sagt eine Sprecherin des Teams "Sauberes Karlsruhe" (TSK).
Ludwigsburg stellt lapidar fest: "Aus unserer Sicht hat die Bereitschaft zugenommen, Müll unerlaubt im öffentlichen Raum zu entsorgen." Auch der Aufwand durch wilden Müll in der freien Landschaft habe sich erhöht, so das Umweltministerium. Die Hemmschwelle zur illegalen Abfallentsorgung sinke.