Die Zahl der Frauen mit einer Endometriose-Diagnose hat sich in Bayern binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Gab es im Jahr 2005 noch rund 39.800 Frauen, waren es 2024 bereits etwa 82.900. Zugleich sank das Alter bei der Erstdiagnose in Deutschland um knapp vier Jahre, wie aus dem aktuellen Arztreport der Krankenkasse Barmer hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, die mit vielen Schmerzen und anderen Krankheiten einhergeht.
Bei den Betroffenen befindet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutterhöhle - etwa am Bauchfell, an den Eierstöcken oder dem Darm. Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen, die oft zusammen mit der Regelblutung, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr auftreten. Die oft krampfartigen Schmerzen können in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen und von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein. Die Schmerzen können sich chronifizieren, auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt werden.
Hohe Dunkelziffer
Nach den jüngsten Daten aus dem Jahr 2024 sind die Frauen in Deutschland laut Barmer inzwischen im Schnitt 37,4 Jahre alt, wenn sie Klarheit über die Ursache ihrer Beschwerden bekommen. Im Freistaat sind den Abrechnungsdaten der Kasse zufolge 1.248 von 100.000 Frauen wegen Endometriose in ärztlicher Behandlung; das ist der fünfte Platz im Ländervergleich.
Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl der Betroffenen nicht nur im Freistaat deutlich höher liegen: „Es ist davon auszugehen, dass viele Frauen ihre Beschwerden für starke Regelschmerzen halten und deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe suchen“, erläuterte Barmer-Landesgeschäftsführer Alfred Kindshofer.
Weitere Krankheiten bei Betroffenen häufiger
Die Krankheit müsse noch stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein ankommen, forderte Kindshofer. „Endometriose kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen – Familienplanung, Mobilität und psychische Gesundheit.“ Begleiterkrankungen sind weit verbreitet, wie der Arztreport zeigt. Demnach leiden die Betroffenen deutlich häufiger, als es ihrem Alter entsprechen würde, unter Schmerzdiagnosen etwa im Bauch und Becken sowie unter Migräne und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Auch depressive Episoden und Angststörungen kommen häufiger vor.
Die repräsentative Analyse der Krankenkasse basiert auf den anonymen Abrechnungsdaten ihrer Versicherten. Für die Jahre von 2005 bis 2024 wurden rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland berücksichtigt. Diese Ergebnisse wurden standardisiert und auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland und Bayern hochgerechnet.