Vorsorge
Hilfsorganisationen fordern mehr Selbstschutz bei Krisen

Eine Grundausstattung für den Notfall sollte jeder Zuhause haben. Dazu gehören auch Medikamente, Wasser und Lebensmittel für meh
Eine Grundausstattung für den Notfall sollte jeder Zuhause haben. Dazu gehören auch Medikamente, Wasser und Lebensmittel für mehrere Tage. (Illustration) Foto
© Jens Kalaene/dpa
Stromausfall, Anschlag, Flut: Hilfsorganisationen fordern, dass sich die Bevölkerung besser auf Krisen vorbereitet. Denn die Profis können nicht überall zugleich sein.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Krisen und Katastrophen muss die Bevölkerung aus Sicht der großen bayerischen Hilfsorganisationen die Fähigkeiten zur Selbsthilfe ausbauen. Ob Wasservorräte oder Erste-Hilfe-Kurs, ob Stromausfall oder Anschlag: "Je besser die Eigenvorsorge ist, desto mehr Luft hat die professionelle Hilfe, dort zu helfen, wo sie tatsächlich gebraucht wird", erläuterte Thomas Haas vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) in München. "Wenn die Bevölkerung ab Minute eins Hilfe braucht, funktioniert das System nicht." 

Die Gesellschaft müsse sich dort, wo sie es könne, selbst schützen und gegenseitig unterstützen, betonten die Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes, Robert Augustin und Christoph Friedrich, in Absprache mit dem Arbeiter-Samariter-Bund und den Johannitern. Nur dann könne der Zivil- und Katastrophenschutz bei einer Krise längerfristig funktionieren. "Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig und nimmt Druck aus der Lage", erläuterte Friedrich. 

Auswirkungen einer Krise treffen immer die Gesellschaft als System

Im Gegensatz zu einer Katastrophe mit großem Schaden ist eine Krise zeitlich und räumlich ausgedehnter. Ob mehrtägiger Stromausfall in einer Großstadt, Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur oder die Corona-Pandemie: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unterschiedliche Lagen stets die gleichen Auswirkungen hatten, erläuterte Daniel Pröbstl, Co-Geschäftsführer des BayZBE. Sie träfen nicht nur einzelne Bereiche, sondern die Gesellschaft als Gesamtsystem. Entsprechend gehe es dabei immer um die Bewältigung der Auswirkungen, und nicht nur um die Bewältigung des primären Schadens. 

"Der große Schlüsselfaktor heißt Bevölkerung: Nur wenn die Bevölkerung bestmöglich auf eine Krise, die gesamtgesellschaftlich wirkt, vorbereitet ist, wird es am Ende auch möglich sein, eine solche Krise zu bewältigen", unterstrich Pröbstl. 

Zur Eigenvorsorge empfiehlt es sich laut Haas, sich mögliche Szenarien bewusst zu machen und vorbereitet zu sein: Reichen Wasser, Lebensmittel und Medikamente, wenn ich einige Tage abgeschnitten bin? Ist Notgepäck für eine schnelle Flucht greifbar? Und wie steht es um die alte Nachbarin? Letztlich gehe es um den Aufbau von Resilienz, von Widerstandskraft der Gesellschaft, resümierte Augustin.

Broschüre "Vorsorge für Krisen und Katastrophen"

dpa