Winterwetter
Lawinengefahr steigt – Skitourengeher stirbt im Allgäu

Eine Lawine ist abseits gesicherter Pisten abgegangen. (Symbolbild) Foto: Sabine Dobel/dpa
Eine Lawine ist abseits gesicherter Pisten abgegangen. (Symbolbild) Foto
© Sabine Dobel/dpa
Endlich Schnee! Doch in den Bergen abseits der Pisten ist das derzeit gefährlich: In den Allgäuer Bergen starb ein Skitourengeher in einer Lawine. Wovor die Experten warnen und was man wissen sollte.

Neuschnee hat in den höheren Lagen der Alpen die Lawinengefahr deutlich steigen lassen. Im Allgäu starb ein Skitourengeher in den Schneemassen. Oberhalb von 2.000 Metern herrscht in den Allgäuer Alpen große Gefahr der Stufe vier von fünf, wie der Lawinenwarndienst berichtet. Darunter und insbesondere in den Werdenfelser und Berchtesgadener Alpen gilt vielerorts erhebliche Gefahr der Stufe drei.

Die Lawinen-Experten empfehlen Zurückhaltung und defensives Verhalten – auch wenn für die meisten Gebiete der bayerischen Alpen unterhalb von 1.600 Metern nur die mäßige Gefahrenstufe zwei gilt. Insgesamt bleibt es winterlich in Bayern: Schnee, Regen, Graupel – und teils Minusgrade mit glatten Straßen erwarten die Meteorologen in den nächsten Tagen.

Allein unterwegs

Der Skitourengeher im Allgäu war am Montag im Bereich der Nordflanke des Iseler verunglückt. Der 46-Jährige war allein unterwegs und hatte laut Polizei am Montagnachmittag offenbar selbst die Lawine ausgelöst. Er wählte noch den Notruf – er sei nicht verschüttet gewesen, hieß es bei der Polizei.

Wegen des schlechten Wetters konnte der Hubschrauber zunächst nicht fliegen. Bergwachthelfer stiegen zu Fuß zur Unfallstelle. Die angespannte Lawinensituation erschwerte die Bergung und verzögerte die Rettungsmaßnahmen, wie es hieß. Der Mann wurde schließlich in einem steilen Schneefeld gefunden. Er wurde reanimiert, starb jedoch im Krankenhaus.

Wettlauf mit der Zeit

Nach Lawinenunglücken zählt in aller Regel jede Minute. Schon nach zehn Minuten unter dem Schnee sinkt die Überlebenschance rapide, es droht Ersticken. Das war allerdings im Allgäu wahrscheinlich nicht das Problem, da der Mann nicht unter dem Schnee lag. Die Todesursache sei noch nicht geklärt, hieß es. Oft erleiden Lawinenopfer durch die Schneemassen schwerste und Verletzungen.

Lawinen können in Hängen ab 30 Grad Neigung abgehen. Stürmischer Wind und ergiebige Schneefälle ließen laut Lawinenwarndienst derzeit in der Höhe die gefährlichen Triebschneeansammlungen weiter wachsen. Schneebrettlawinen könnten leicht von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden oder sich von selbst lösen. Grundsätzlich können sich die Schneeschichten umwandeln – kantige Schneekristalle werden zur gefährlichen Gleitschicht.

Die Polizei mahnte nach dem Unfall, die Lawinenwarnberichte zu beachten, die nötige Ausrüstung wie Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel dabei zu haben und risikoreiches Steilgelände zu meiden. Das LVS-Gerät ermöglicht die Ortung von Verschütteten unter dem Schnee – am schnellsten durch Begleiter, die sofort mit der Suche beginnen können. Experten raten deshalb grundsätzlich dazu, nicht allein auf Tour zu gehen.

100 Tote alljährlich in den Alpen

Wenn sich Schneemassen lösen und zu Tal donnern, gibt es kaum ein Entrinnen. Laut Experten kommen in den Alpen jährlich rund 100 Menschen in Lawinen um. Ende Januar gab es in Österreich allein an einem einzigen Tag drei Unglücke mit acht Toten. In Bayern sind tödliche Unglücke eher selten, zuletzt starb ein Wintersportler vor gut zwei Jahren ebenfalls im Allgäu.

Die Lawinenlage ist weiter angespannt. Am heutigen Faschingsdienstag wird in Bayern wieder Neuschnee erwartet, in den Hochlagen der Allgäuer sogar bis zu 20 Zentimeter.

Der Winter setzt sich gerade fest im Freistaat. Die Menschen müssen sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auf Schneeregen, Regen und Graupelschauer sowie Wind und Glätte einstellen. Die Temperaturen sollen über der Null-Grad-Marke bleiben. In der Nacht zum Mittwoch verziehen sich Regen und Schnee der Vorhersage nach in Richtung Ostbayern. Die Tiefstwerte dürften sich zwischen 1 Grad im fränkischen Tiefland, minus 3 Grad im Bayerischen Wald und in Alpennähe sowie minus 5 Grad direkt an den Alpen einpendeln. Die Prognose für die kommenden Tage: Es schneit weiter.

dpa