723 Fälle und Hinweise auf Anfeindungen gegen schwule Männer, lesbische Frauen und andere sexuelle Minderheiten sind von der Beratungsstelle Maneo im vergangenen Jahr in Berlin registriert worden. Die Zahl im Vorjahr 2024 lag in einer ähnlichen Größenordnung, wie im Jahresbericht zu 2025 mitgeteilt wurde.
Die Taten ereigneten sich demnach in verschiedenen Bereichen: im Internet, auf der Straße, in Wohnungen, am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Familie. Dazu zählten auch Übergriffe gegen Initiativen und Vereine in der schwul-lesbischen Szene sowie auf Straßenfesten oder anderen Veranstaltungen. Allein die Sichtbarkeit von Menschen im öffentlichen Raum sei immer wieder Grund für Angriffe gewesen.
Oft ging es um Beleidigungen und auch um körperliche Übergriffe, teilte Maneo mit. Einrichtungen wurden mit Eiern, Flaschen und Steinen beworfen oder bedroht, Fassaden, Schaufensterscheiben oder aufgehängte Regenbogenfahnen beschädigt.
Viele Vorfälle werden wohl nicht gemeldet
165 Fälle ereigneten sich auf öffentlichen Straßen oder in Bussen oder Bahnen oder an Haltestellen. Zum Teil wurden Opfer gezielt in Fallen gelockt mit angeblichen Verabredungen über das Internet und dann bei Treffen beraubt oder angegriffen. Die Tatorte lagen mehrheitlich in den Stadtteilen Schöneberg, Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain - dort, wo sich viel Nachtleben abspielt und viele schwule Männer und lesbische Frauen sichtbar sind.
Geschildert wurden im Bericht auch konkrete Beispiele: zwei sich in einem Bus küssende Frauen wurden in Steglitz beleidigt und geschubst; zwei schwule Männer wurden von dem Fahrer eines gemieteten Wagens rausgeworfen; schwule Männer wurden nachts in einem Park beraubt und geschlagen; ein schwuler Flüchtling wurde in seiner Sammelunterkunft von Jugendlichen beschimpft und angegriffen.
Nach Einschätzung von Maneo werden sehr viele Fälle von den Opfern nicht gemeldet. Man gehe von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent aus. Die Initiative ist seit 36 Jahren als Opferhilfe aktiv.