Die Fanhilfe von Hertha BSC hat nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen vor dem Olympiastadion Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zu personellen Konsequenzen bei der Polizei aufgefordert. Um die Ereignisse mit mehr als 50 Verletzten vor dem Zweitliga-Spiel gegen den FC Schalke 04 aufarbeiten zu können, müssten von der Polizei "offenkundig falschen Aussagen" zu dem Vorfall "richtigstellt" werden, heißt es in einer öffentlich gemachten E-Mail der Fan-Vertreter an die Politikerin.
"Des Weiteren sollte spätestens jetzt deutlich geworden sein, dass die polizeiliche Einsatzleitung für das Olympiastadion schnellstmöglich von ihren Aufgaben entbunden werden muss. Wer über Monate hinweg einzig und allein eine Eskalation herbeiführen möchte und schlussendlich einen solch brutalen Einsatz genehmigt, darf im Sinne der Zuschauersicherheit keine Verantwortung mehr für Großveranstaltungen tragen", schrieb die Fanhilfe.
Krisentreffen bei Spranger ohne konkrete Ergebnisse
Vor dem Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga am 17. Januar war es vor der Partie beim Einlass der Hertha-Fans zu Ausschreitungen gekommen. Laut Polizei wurden 21 Einsatzkräfte und 31 Anhänger verletzt. Anschließend war es zu heftigen gegenseitigen Gewalt-Vorwürfen gekommen. Spranger hatte Hertha-Vertreter und die Polizeiführung in der Vorwoche zu einem Krisentreffen eingeladen, nach dem keine konkreten Ergebnisse bekannt wurden.
Auf die aktuellen Forderungen der Fanvertreter gibt es von Spranger noch keine Reaktion. Bei der Sitzung des Berliner Innenausschusses machte die SPD-Politikerin am Montag deutlich, dass sie von Verein beziehungsweise dessen Fans und der Polizei eine Deeskalation erwarte. "Beide Seiten haben einiges aufzuarbeiten", sagte Spranger. 15 Jahre habe die Kommunikation zwischen Hertha und Polizei gut funktioniert. Diese müssen nun wieder aufgenommen werden. Hertha-Spiele müssten ein sicheres Familien-Erlebnis bleiben.
Polizeipräsidentin bestätigt neue Maßnahmen
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel räumte ein, dass es nach einem versuchten Angriff der Hertha-Fans auf Gästeanhänger beim Heimspiel gegen Dresden im oberen Umlauf des Olympiastadions Anfang November einen Strategiewechsel mit besonderen Maßnahmen wie einer größeren Polizeipräsenz gegeben habe. Diese seien vor dem Schalke-Spiel zur Anwendung gekommen. Den Vorwurf übermäßiger Gewalt wies sie zurück, möglichen Vergehen von Beamten würde nachgegangen werden.