Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die Bedeutung der Chemieindustrie hervorgehoben. Deutschlands Leitbranchen Chemie und Automotive benötigten besonderen Schutz, sagte der CDU-Politiker beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in Halle. Die Industrie steht derzeit stark unter Druck. Etwa hatte jüngst das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals an seinen deutschen Standorten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg wegen Insolvenz den Betrieb eingestellt.
"Was wir seit 1990 erfolgreich aufgebaut haben, wollen wir erhalten", sagte der 71-Jährige. Es dürfe politisch nicht zugelassen werden, dass die Chemiebranche zerstört wird. "Die Branche braucht wieder einen Boden unter den Füßen", sagte Haseloff. Momentan fahre sie jedoch in "einem ganz schwerem Fahrwasser".
Domo kämpft in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ums Überleben
Der Neujahrsempfang wurde von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau sowie von der Handwerkskammer Halle veranstaltet. Zu Gast waren unter anderem auch Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (beide CDU). Schulze soll zeitnah Nachfolger von Haseloff werden. Der Schritt soll Schulze ermöglichen, vor der Landtagswahl am 6. September die Regierung zu führen.
Die Zukunft der drei Domo-Standorte ist ungewiss. Das Wirtschaftsministerium sei "in regelmäßigem Austausch mit allen Akteuren zum Thema Domo", erklärte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben eines Sprechers des Insolvenzverwalters von Domo, Flöther & Wissing, dauere die Umstellung auf Notbetrieb der Anlagen an.
Branche mit vielen Beschäftigten
Unklar war unter anderem, ob die Anlagen in Leuna durch ein Herunterfahren Schaden davontragen und ob sie danach wieder hochgefahren werden können. Die Betreiber des Chemieparks in Leuna, die InfraLeuna GmbH, wollte sich zum Produktionsstopp bei Domo und dessen Auswirkungen auf Anfrage vorerst nicht äußern.
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Die Insolvenz der drei Tochtergesellschaften von Domo könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. In Leuna und Premnitz wurde vor allem Kunststoff produziert, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien).
Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Nach Angaben der IG BCE erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro.
Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeitende.