Theater
Von Castorf bis Castingshow: Was das Berliner Ensemble plant

Eröffnet wird die Saison mit Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen". (Archivbild) Foto: Hannes P Albert/dpa
Eröffnet wird die Saison mit Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen". (Archivbild) Foto
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Am Berliner Ensemble geht Intendant Oliver Reese in seine zehnte Spielzeit. Was ab Herbst an dem Theater geplant ist und warum das Haus inzwischen deutlich mehr Vorstellungen spielt.

Das Berliner Ensemble plant in der neuen Spielzeit 16 Premieren. Regisseur Frank Castorf zum Beispiel soll den Roman "Mephisto" von Klaus Mann auf die Bühne bringen. Ulrich Rasche nimmt sich Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" vor. Und Regisseurin Fritzi Wartenberg beschäftigt sich in "Leider kein Foto für dich" mit dem Phänomen der Model-Castingshow, wie das Theater ankündigte. Eröffnet wird die Saison mit Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen".

Auf den Spardruck hat das Haus reagiert, indem es deutlich mehr Aufführungen organisiert als früher. Im vergangenen Jahr hätten sie 75 Vorstellungen mehr gespielt als im Vorjahr, sagte Intendant Oliver Reese. Knapp 230.000 Besuche wurden gezählt - etwa 40.000 mehr als noch ein Jahr davor.

"Wir haben angefangen, auch die Sonntagnachmittage zu bespielen, beispielsweise mit der Gesprächsreihe mit Robert Habeck", sagte Reese. Außerdem hätten sie Endproben in öffentliche Proben und Voraufführungen umgewandelt und zusätzlich kleinformatige Produktionen entwickelt.

"Katharina Thalbach liest: Kästners Berlin" etwa könne das Theater unaufwändig auf der Vorbühne zeigen. "Das Gleiche gilt für „De Profundis“, bei dem Jens Harzer nur auf 1,30 Meter mal 1,30 Metern spielt", sagte Reese. "So ist es uns gelungen, die Zahl der Schließtage insgesamt zu reduzieren, mehr Vorstellungen zu spielen und entsprechend höhere Einnahmen zu erzielen."

 "In der Stadt gibt es auch viel Roughness"

Der Theaterchef warnt angesichts der anstehenden Wahlen in Berlin, die Bedeutung der Kultur zu unterschätzen. "Berlin ist gerade durch seine enorm vielfältige Kulturlandschaft ein Anziehungspunkt", sagte Reese der Deutschen Presse-Agentur. "In der Stadt gibt es auch viel Roughness und Hässlichkeit, es gibt zahlreiche Probleme. Aber die Kultur blüht."

Deswegen kämen Touristinnen und Touristen in die Stadt, auch deswegen hätten sie so viele Besucherinnen und Besucher. Es bleibe die Sorge, dass mit einer neuen Regierung neue Sparpläne aufkämen, mahnte Reese. Berlin wählt im September das nächste Abgeordnetenhaus.

dpa