Umstrittene Personalie
Wegner: Vertrauensverhältnis zu Hundt „nachhaltig zerstört“

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte seinen neuen Digitalisierungs-Staatssekretär Matthias Hundt aus Dresden nach
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte seinen neuen Digitalisierungs-Staatssekretär Matthias Hundt aus Dresden nach Berlin geholt. Foto
© Jens Kalaene/dpa

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50.700 Euro Übergangsgeld nach kurzer Amtszeit und Blitz-Entlassung. Was Berlins Regierungschef Wegner zur umstrittenen Personalie Hundt sagt.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat die Entlassung seines Kurzzeit-Digitalstaatssekretärs Matthias Hundt mit dauerhaft verlorengegangenem Vertrauen begründet. „Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig gestört, es war und ist nachhaltig zerstört“, sagte der CDU-Politiker im Abgeordnetenhaus.

Auf die Frage eines Abgeordneten, warum der Senat akzeptiert habe, dass der aus Dresden stammende Hundt seine eigene Bitte um Entlassung zurückgenommen habe, verwies Wegner auf das Beamtenrecht. „Leider gelten diese beamtenrechtlichen Regelungen“, sagte er. 

Nur kurz im Amt

Der erst Mitte März von Wegner berufene Staatssekretär hatte vor einer Woche nach nur zweieinhalb Monaten im Amt zunächst um seine Entlassung gebeten, die Bitte dann aber zurückgenommen. Daraufhin hatte der Senat ihn am vergangenen Dienstag entlassen. Er bekommt rund 50.700 Euro Übergangsgeld, das ihm bei Entlassung auf eigenen Wunsch nicht zugestanden hätte.

Ermittlungen in Dresden

In der Vorwoche war bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft Dresden im Kontext der Insolvenz einer Firma Hundts ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft Dresden wurde am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen von Hundts Beratungsunternehmen SDC Sachsen Digital Consulting GmbH eröffnet. Hundts Anwalt teilte dazu mit, sein Mandant habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Hundt habe sich mit allen wesentlichen Beteiligten, die von der Insolvenz betroffen seien, geeinigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wegner unter Druck

Der gebürtige Dresdner Hundt, Jahrgang 1969, war erst Mitte März zum Chief Digital Officer und Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in der Berliner Senatskanzlei ernannt worden. Er folgte auf Martina Klement, die als Wirtschaftsministerin in die Brandenburger Landesregierung wechselte.

Wegner steht wegen der Personalie unter Druck. Die Opposition wirft ihm vor, vor der Berufung des Unternehmers Hundt dessen Eignung und professionellen Hintergrund nicht ausreichend geprüft zu haben. „Sie haben ein so wichtiges Amt offenbar einem Hochstapler und Blender überlassen“, sagte Linke-Fraktionschef Tobias Schulze im Berliner Abgeordnetenhaus an die Adresse Wegners. 

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf sprach von einer Personalie, „die so nicht hätte passieren dürfen“. AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker sagte: „Es kann nicht sein, dass jemand ohne Prüfung seiner Qualifikation und seiner bisherigen Lebensleistung in ein öffentliches Amt gebracht wird.“ 

Die bisherigen Aufgaben Hundts übernahm Florian Hauer zusätzlich zu seinen Tätigkeiten als Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten.

dpa