Wärmewende
Streit um Kraftwerkpläne in Spandau - Grüne fordern Stopp

Am Standort des Heizkraftwerks Reuter West in Spandau ist eine neue Anlage zum Verbrennen von Biomasse geplant. (Archivbild) Fot
Am Standort des Heizkraftwerks Reuter West in Spandau ist eine neue Anlage zum Verbrennen von Biomasse geplant. (Archivbild) Foto
© Jens Kalaene/dpa
Die Pläne für ein Holzkraftwerk in Spandau sind einen kleinen Schritt weitergekommen. Die Grünen wollen das Projekt am liebsten sofort ausbremsen.

Die Planungen für ein neues Kraftwerk in Spandau, in dem Biomasse wie Holz verbrannt werden soll, kommen weiter voran. Die landeseigene Berliner Energie und Wärme (BEW) will es am Standort des Heizkraftwerks Reuter West errichten und voraussichtlich 2029 in Betrieb nehmen. Erste Maßnahmen für die Einrichtung einer Baustelle beginnen bereits, wie die BEW auf dpa-Anfrage mitteilte. 

Das zuständige Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit hatte zuvor die Genehmigung dafür erteilt. "Der eigentliche Bau der Anlage ist damit ausdrücklich nicht verbunden", erläuterte eine BEW-Sprecherin. "Der Bau der Anlage selbst darf erst nach Abschluss des regulären Genehmigungsverfahrens beginnen."

Kritik von Umweltschutzverbänden an dem Projekt gibt es seit langem. Grünen-Fraktionschef Werner Graf forderte einen sofortigen Stopp der Pläne: "Das ist das völlig falsche Signal, klimapolitisch wie ökonomisch", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Die industrielle Verbrennung von Holz ist kein zukunftsfähiger Beitrag zur Wärmewende und wird die Berlinerinnen und Berliner bei ihrer Heizrechnung teuer zu stehen kommen. Die Holzpreise explodieren gerade weltweit." 

Die BEW betont, es sei geplant, in dem neuen Kraftwerk vor allem Altholz zu verbrennen. Dafür sollen langfristige Verträge abgeschlossen werden. Die Anlage im Spandauer Ortsteil Siemensstadt werde auch nur sechs Prozent der Wärme produzieren und sei damit lediglich ein Baustein in einem breiten Energiemix.

Grüne warnen vor großem Holzbedarf

Die Grünen überzeugt das nicht: "Es ist ein Märchen, dass dieses Holzkraftwerk nur mit Altholz auskommen wird", sagte Graf. "Dieses Holzkraftwerk wird jährlich dreimal den Tiergarten verfeuern. Diese Menge an Holz wird nur aus dem Ausland kommen können. Bäume zu fällen, um ein Kraftwerk zu errichten, das anschließend noch viel größere Mengen Holz verbrennt, ist an klimapolitischem Zynismus kaum zu übertreffen."

Die Berliner Energie und Wärme versorgt rund 700.000 Wohnungen und damit mehr als ein Drittel der zwei Millionen Berliner Wohnungen mit Fernwärme für Heizung und Warmwasser.

Das Unternehmen ist gleichzeitig für rund ein Viertel der CO2-Emissionen in Berlin verantwortlich. Der Senat hat sich das Ziel gesetzt, die Kohlendioxidemissionen bis 2045 um 95 Prozent und bereits bis 2030 um 70 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. 

Die BEW soll ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um rund 2,3 Millionen Tonnen reduzieren und auf rund die Hälfte des aktuellen Niveaus bringen - vor allem durch den Verzicht auf Kohle. Biomasse-Heizkraftwerke sind aus Sicht der BEW und des Berliner Senats ein Beitrag dazu.

dpa