Kirche der Stille Gegen den Stress: Meditation in Lüneburger Kirche

Die Meditationsabende in der Lüneburger Kreuzkirche ziehen immer mehr Menschen an. (Archivbild) Foto: Philipp Schulze/dpa
Die Meditationsabende in der Lüneburger Kreuzkirche ziehen immer mehr Menschen an. (Archivbild) Foto
© Philipp Schulze/dpa
Die Meditations-Abende in der Lüneburger Kreuzkirche ziehen immer mehr Menschen an. Im schnelllebigen Alltag haben viele ein Bedürfnis nach Stille.

Jeden Donnerstag treffen sich bis zu 24 Frauen und Männer zum gemeinsamen Meditieren in der Lüneburger Kreuzkirche – und sind trotz der Gemeinschaft ganz bei sich. "Keiner muss sich um den anderen kümmern. Es gibt eine emotionale Verbindung, obwohl wir wenig Biographisches voneinander wissen", erzählt Pastor Bernd Skowron, der die Abende zusammen mit Kornelia Tillack leitet. "Immer mehr Menschen haben in unserer schnelllebigen Zeit das Bedürfnis, etwas dagegensetzen zu wollen oder zu müssen."

Eine der Jüngsten in der treuen Gruppe, die sich zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern zusammensetzt, ist Jule Würfel. "Die Gemeinschaft gibt mir einen Rahmen, es ist ein schöner Ort für Me-Time", sagt die 30-Jährige, die sich nach Ruhe gesehnt habe. "Ich kann mich spüren." Seit sie regelmäßig die eineinhalbstündige Auszeit aus dem Alltag nutzt, gehe es ihr besser, sagt die zweifache Mutter: "Ich bin mehr in Balance, kann dann im Alltag funktionieren." 

Würfel ist kein Kirchenmitglied, das ist auch keine Voraussetzung. "Niemand muss religiös sein, das geht auch ohne Verbindung zu Gott", meint Skowron. "Natürlich haben wir den Background dazu, aber auch eine große Offenheit gegenüber anderen religiösen Ansätzen." Kirche komme nicht mehr wie früher daher, man öffne sich mehr und mehr. 

Das Ritual der Gemeinschaft schätzen viele

Auch Co-Leiterin Kornelia Tillack ist sonntags keine Gottesdienstgängerin. Die Bewegungstherapeutin leitet an, "um die Körper abzuholen". In dicken Socken animiert sie zu leichten Entspannungsübungen, Unruhe und Anspannung sollen sich lösen. Mit Kirche konnte sie nie viel anfangen, nun gefällt ihr die Energie von Raum und Gruppe. "Wir wollen noch mehr Leute erreichen", erzählt sie. 

Auch Raimo Kopetzki schätzt das feste Ritual. "Ich komme spirituell zur Ruhe", erzählt der 58 Jahre alte Ingenieur. Es sei eine schöne Idee, sich zu öffnen. Zum Abschluss erfolgt ein Segen. 

Neben den kostenlosen Meditationsangeboten plant die Gemeinde weitere Angebote wie Yoga und will ihr Programm zur "Kirche der Stille" ausbauen. Dafür wurde eine Dreiviertelstelle beantragt. Vergleichbare Formate gibt es bereits in Hamburg-Altona. Innerhalb der Landeskirche gibt es in Hannover und Osnabrück das Format der "Kirche der Stille".

dpa