Saisonale Früchte
Wieder regionale Erdbeeren - "Das Wetter ist der Chef"

Die Erdbeerschalen in den Verkaufsständen werden normalerweise im Verlauf der Saison größer. (Archivbild) Foto: Jens Büttner/dpa
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Frische süße Erdbeeren aus der Region verbreiten auch im Norden Sommergefühle - wenn nicht teils das Wetter dagegenhalten würde. Anbauer gehen immer neue Wege. Auch Roboter sind ein Thema.

Die Erdbeersaison nimmt Fahrt auf im Norden. "Jetzt sind alle Stände auf", sagte Enno Glantz vom Erdbeerhof Glantz. Zunächst hatte die Ernte demnach noch nicht ausgereicht, um jeden eigenen Verkaufsstand in und um Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern oder auch in Sachsen-Anhalt zu versorgen. Seit rund einer Woche verkauften aber alle Stände.

"Jetzt sind wir schon voll drin", sagte auch Robert Dahl, Geschäftsführer von Karls Erdbeerhof. Die frischen Erdbeeren aus Rövershagen gebe es inzwischen in mehreren Bundesländern: in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Die Ernte sieht gut aus." Es seien viele Früchte an den Pflanzen.

Karls wolle dieses Jahr etwa 7.000 Tonnen ernten und bis Ende Oktober beziehungsweise Anfang November verkaufen. "Die Anbaufläche, die steigern wir im Moment leicht im Vergleich zu den Vorjahren, weil wir unsere Marmeladenproduktion gut am Laufen haben." Es gehe um ein Plus um etwa 10 bis 20 Prozent in den kommenden Jahren.

Ziel: Preise trotz gestiegener Kosten halten

Glantz baut auf seinem Hof in Delingsdorf in Schleswig-Holstein unweit von Hamburg und in Hohen Wieschendorf in Nordwestmecklenburg an. Man wolle bis Mitte August verkaufen, sagte Glantz, der die Früchte seit 55 Jahren anbaut und verkauft. Um den Zeitraum abzudecken, baue man unterschiedliche Sorten an. Eine Sorte trage im Schnitt etwa vier Wochen Früchte.

Wegen gestiegener Kosten etwa beim Diesel seien die Erdbeeren von Glantz zu Beginn um knapp zehn Prozent teurer als im Vorjahr, aber: "Wenn wir den Durchschnitt der Erntesaison sehen, ist unser Ziel, die Preise zu halten." Denn wie auch bei Karls würden die Erdbeeren im Laufe der Saison in größeren Schalen und zu niedrigeren Preisen verkauft. Letztlich sei das aber witterungsbedingt. "Das Wetter ist der Chef", so der Landwirt. Karls habe die Preise zum Anfang der Saison das dritte Jahr in Folge gehalten, erzählte Dahl.

Die Erdbeerhochsaison fällt laut Glantz traditionell auf den Zeitraum vom 1. bis zum 20. Juni. Dann kämen auch mehr Früchte vom Freilandanbau. Der Frühanbau erfolge bei Glantz unter Folientunneln. Karls setzt zunehmend auf Stellage - also den Anbau auf Gestellen und nicht am Boden. Das bringe mehr Ertragssicherheit und die Arbeitsbedingungen für die Pflücker und Pflücker seien besser, erklärte Dahl. "Im nächsten Jahr kommen schon ungefähr 45 Prozent der Erntemenge aus dieser Anbauform."

Ernteroboter noch nicht ausgereift

An Ernterobotern wird nach Aussage beider Unternehmer zwar gearbeitet. Praxistauglich seien sie aber bisher nicht. Karls ist nach Aussage Dahls aktuell etwa in China bei Roboterherstellern unterwegs. "Aber wir haben noch keinen Erfolg gehabt." Die Maschinen pflückten langsam, auch grüne Früchte oder zermatschten sie. 

Auch bei Glantz seien schon Versuche erfolgt. "Wir sind da stark daran interessiert und beobachten die Entwicklung." Er habe eigentlich nie gedacht, dass das mal klappe. Mittlerweile glaube er, "dass das doch irgendwann losgeht". 60 bis 70 Prozent im Erdbeergeschäft seien Handarbeit. Hohe Lohnkosten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern seien da ein Problem. Obwohl der regionale Anbau eigentlich gewünscht sei.

Die Nachfrage zum Verkaufsstart war nach Aussage Dahls "mega". Es sei immer wieder faszinierend, wie sich die Menschen zu Beginn der Saison auf die Erdbeeren freuten. Glantz sagte: "Dieser Heißhunger, der zu Anfang ist, der ist auch dieses Jahr da bei den Erdbeerfreaks." Aber das ungemütliche Wetter habe die Erdbeerlaune im Mai teils getrübt. "Acht Grad und Wind und auch noch Regen - also da trinkt man lieber einen Schnaps. Das kann ich auch verstehen." Er schätzte, dass bei gutem Wetter 20 bis 30 Prozent mehr verkauft würden.

dpa