Die Wohlfahrtsverbände Schleswig-Holstein fordern vom Land mehr Geld. Über den Sozialvertrag erhalten sie bis 2028 jährlich 2,5 Millionen Euro, sagte Michael Saitner, Vorstand des Paritätischen in Schleswig-Holstein, bei einer Pressekonferenz in Kiel. "Eine Verdoppelung ist das Mindeste, was wir brauchen", betonte er. Denn die Arbeit hätte deutlich zugenommen.
"Die Menschen werden psychisch kränker, die Menschen sind unsicherer, die Menschen suchen mehr Rat", erklärte Saitner. Dennoch müssen die Verbände viele Ratsuchende abweisen, weil die Mitarbeitenden kein größeres Angebot stemmen können. Mit zusätzlichem Geld könnten sie schrumpfende Projekte sichern und neue "aus dem Boden stampfen".
"Wir benötigen hier dringend, und zwar aus gemeinsamem demokratischem Interesse an einer Stärkung der Arbeit der freien Wohlfahrt in Schleswig-Holstein", ergänzte Diakonievorstand Heiko Naß. In nördlichsten Bundesland arbeiten in der Wohlfahrt über 100.000 Hauptamtliche und viele Tausend Ehrenamtliche. Gleichzeitig suchen Menschen vor Ort aktiv ihre Hilfe.
"In Kitas, der Pflege oder der Beratung ist die Wohlfahrt dicht dran am Menschen", so Naß. Die Mitarbeitenden würden helfen und dafür sorgen, dass niemand an den Rand gedrängt wird. Mit ihrer Arbeit begegneten sie Hilflosigkeit, Einsamkeit und sozialen Nöten. "Sie sind damit ein wichtiger Rückhalt und ein Pfeiler unserer Demokratie", betonte der Diakonievorstand. "Die Wohlfahrt ist somit ein Standortfaktor, in den es sich lohnt, zu investieren".
Einsparvorschläge würden dem Zusammenhalt schaden
Die Wohlfahrtsverbände befürchten jedoch, dass soziale Arbeit nur als Kosten- und Einsparfaktor gesehen wird. Die kürzlich bekannt gewordenen Einsparvorschläge von Bund, Ländern und Kommunen betrachten sie mit Sorge. Diese würden die Schwächsten treffen und dem sozialen Zusammenhalt schaden.
Statt nur zu sparen, gebe es andere Wege, soziale Arbeit kostendämpfend zu gestalten. Dazu zählten der Abbau von Bürokratie oder Budgetlösungen für Träger. "Zukunftssicher ist die soziale Arbeit dann, wenn sie nicht unter dem Verdikt des Kostendrucks steht", betonte Naß. Denn weil Bund, Land und Kommunen ihre Ausgaben bereits zunehmend kürzen oder deckeln, kämpften viele Einrichtungen und Angebote mit dem Kostendruck und teilweise um ihre Existenz. Darunter litten letztlich die Rat- und Hilfesuchenden.
Geplante Einsparungen in Milliardenhöhe
Hintergrund ist ein Papier einer Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Kommunen mit zahlreichen Kürzungsvorschlägen, unter anderem bei der Kinder- und Jugendhilfe und der Betreuung von Behinderten. Dem Bericht zufolge wurde die Liste unter Leitung des Kanzleramts erarbeitet.
Der Paritätische Gesamtverband hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Einsparungen summierten sich auf 8,6 Milliarden Euro. Neben dem Verband kritisierten auch die Opposition im Bundestag und Sozialverbände das Papier.