Bürgermeister Peter Tschentscher sieht Hamburg bei der Umsetzung des Klimaplans insgesamt auf gutem Weg. Es gebe aber Licht und Schatten in den verschiedenen Sektoren, sagte der SPD-Politiker bei der gemeinsamen Vorlage des Zwischenberichts 2025 mit Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Demnach hat die Hansestadt ihre CO2-Emissionen bis 2023 - ausgehend vom Referenzjahr 1990 - bereits um 42,9 Prozent gesenkt.
Der Klimaplan gibt als Einsparziel 70 Prozent bis 2030 vor. Verlässliche Zahlen zu den jährlichen Einsparungen können aber immer erst nach zwei Jahren vorgelegt werden. Im Vergleich zum letzten Zwischenbericht 2024, in dem die Ergebnisse des Jahres 2022 betrachtet wurden, gingen die Zahlen binnen eines Jahres um 6,4 Prozent zurück.
Weitere Einsparmaßnahmen im Verkehrsbereich nötig
Die größten CO2-Einsparungen im Vergleich zu 1990 gab es laut Zwischenbericht mit 48,7 Prozent im Bereich Industrie, gefolgt von Gewerbe/Handel/Dienstleistungen mit 45,7 Prozent. Die privaten Haushalte kamen demnach auf 39,1 Prozent Einsparungen, der Bereich Verkehr auf 37,8 Prozent.
Der Zwischenbericht lasse die Prognose zu, dass private Haushalte, Industrie und der Bereich Gewerbe/Handel/Dienstleistungen ihre Reduktionsziele 2030 voraussichtlich erreichen werden. Im Sektor Verkehr seien hingegen zusätzliche Maßnahmen notwendig, hieß es. Hier sehen Tschentscher und Fegebank vor allem den Bund in der Pflicht, um die E-Mobilität schneller voranzubringen.
Einsparungen trotz wachsender Bevölkerung und Wirtschaftsleistung
Tschentscher betonte, dass Hamburg bei steigenden Einwohner- und Arbeitsplatzzahlen sowie zunehmender Wirtschaftsleistung Fortschritte beim Klimaschutz mache und die CO2-Emissionen deutlich gesenkt habe. "Grundlage für den Erfolg sind ein fachlich fundierter Klimaplan und eine systematische Klimaschutzstrategie, die wir konsequent fortführen."
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Im vergangenen Oktober hatten die Hamburgerinnen und Hamburger die Klimaziele seines Senats mit dem sogenannten "Zukunftsentscheid" noch verschärft und das Erreichen der Klimaneutralität um fünf Jahre von 2045 auf 2040 vorgezogen.
"Der Volksentscheid zum Klimaschutzgesetz hat die Vorgaben zur Verringerung der Emissionen in den Jahren ab 2030 verschärft und noch einmal bestärkt, dass dafür nur sozialverträgliche Maßnahmen ergriffen werden dürfen", sagte Tschentscher. "Hierzu gehört auch der Erhalt von Arbeitsplätzen und der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft." Das nehme man sehr ernst. Zugleich warnte er vor Panikmache angesichts der verschärften Klimaziele.
Große Herausforderungen auch beim Netzausbau
Die Zahlen des aktuellen Zwischenberichts machten "Mut und Lust auf mehr", sagte Fegebank mit Blick auf den Volksentscheid. "Bei der Wärmeversorgung und der Energiewende setzen wir unseren erfolgreichen Weg konsequent fort."
Es gebe aber noch Bereiche, "in denen noch einiges passieren muss". Als Beispiel nannte sie den Verkehr. Auch beim Netzausbau stehe man noch vor großen Herausforderungen. Um die Aufgabe zu lösen, brauche man "ambitionierte Rahmenbedingungen und Rückenwind aus Berlin, um auch dort schneller voranzukommen, wo uns auf Landesebene rechtlich die Hände gebunden sind", sagte Fegebank.
Opposition spricht von rot-grüner "Träumerei" statt Klimapolitik
Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Sandro Kappe, sieht die Realität durch den Zwischenbericht des Senats nicht abgebildet. "Die Klimapolitik des Senats ist Träumerei – und das lässt sich mit Zahlen belegen", sagte er und nannte als Beispiel Wärmepumpen. Davon müssten laut Klimaplan bis 2030 in Hamburg rund 63.000 installiert sein. Seit 2020 seien aber nur 6.000 Wärmepumpen über Bundes- und Landesprogramme gefördert worden.
Selbst das vom Senat dargestellte Szenario von jährlich zusätzlichen 10.000 Wärmepumpen reiche rechnerisch nicht aus, um die Ziele zu erreichen, sagte Kappe. "Damit werden die 2045-Ziele bereits heute verfehlt – von 2040 ganz zu schweigen, denn dafür wären bis 2030 noch deutlich höhere Zahlen erforderlich." Zudem komme Hamburg auch im Verkehrssektor zu langsam voran.
Für die Linke ist insbesondere im Gebäudebereich "noch viel Potenzial zu heben" - beim Ausbau von PV-Anlagen, der Gebäudesanierung und der Umstellung der Gebäudeenergie. "Und auch die Sanierungsquote muss erhöht werden", sagte ihr Umweltexperte Stephan Jersch. "Um die Sanierung sozialverträglich zu gestalten, könnten beispielsweise bei der SAGA die Gewinne in die Sanierung reinvestiert werden, statt sie an die Stadt abzuführen."