Wirtschaftspolitik Gewerkschafterin Pooth: Sind für Wirtschaft mit zuständig

Laura Pooth: "Ich wünsche mir mehr Arbeitgeber, die erkennen, welchen Mehrwert Gewerkschaften für sie haben." Foto: Christian Ch
Laura Pooth: "Ich wünsche mir mehr Arbeitgeber, die erkennen, welchen Mehrwert Gewerkschaften für sie haben." Foto
© Christian Charisius/dpa
Arbeitgeber werfen Gewerkschaften immer wieder vor, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Welche Rolle haben Gewerkschaften, wenn die Konjunktur schwächelt?

Aus Sicht der DGB-Vorsitzenden im Norden, Laura Pooth, sind Gewerkschaften für das Wohlergehen der Wirtschaft mitverantwortlich - und werden ihrer Verantwortung gerecht. "Ich sehe uns als mit zuständig für die gesamtwirtschaftliche Lage an", sagte Pooth. Die Lohnentwicklung in vergangenen Jahren sei maßvoll gewesen. Das zeige, Gewerkschaften seien eine Stütze der Wirtschaft. 

Pooth ist im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte sie: "Ich wünsche mir mehr Arbeitgeber, die erkennen, welchen Mehrwert Gewerkschaften für sie haben." 

Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, helfen Pooth zufolge die Betriebsräte, diese zu begradigen. Die Betriebsräte nähmen zudem eine Vermittlerfunktion ein, da sie Verständigung zwischen Geschäftsführung und Beschäftigten herbeiführten. 

Pooth sagt, die Gewerkschaften seien kompromissbereit 

In der Satzung des DGB ist als erstes Ziel festgehalten, sich für die Interessen der Arbeitnehmer einzusetzen. Arbeitgeber werfen Gewerkschaften immer wieder vor, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht zu werden und mit Lohnforderungen die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. 

Gewerkschaften hätten schon während der konzertierten Aktionen in den 1960er und 1970er Jahren Verantwortung bewiesen, sagte Pooth. Daran habe sich nichts geändert. Die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften sei hoch. 

Der Begriff der konzertierten Aktion ist aus der ersten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik bekannt. Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) rief 1967 Vertreter von Regierung, Bundesbank, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften zusammen. Konzertiert meint verabredet - also den Versuch, Interessen freiwillig in Einklang zu bringen.

dpa