Archäologie
Keltenfürsten-Grab im Taunus liefert spektakuläre Funde

Bei den Ausgrabungen wurden als Grabbeigaben auch mehrere goldene Ringe entdeckt. Foto: Andreas Arnold/dpa
Bei den Ausgrabungen wurden als Grabbeigaben auch mehrere goldene Ringe entdeckt. Foto
© Andreas Arnold/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Archäologen feiern einen Fund von europäischer Bedeutung: Im Taunus kommt das etwa 2.500 Jahre alte Grab eines Keltenfürsten ans Licht – mit Grabbeigaben, die staunen lassen.

Seltener Sensationsfund im Taunus: Bei Erkundungen im Zuge von Bauarbeiten für einen Solarpark ist ein keltisches Fürstengrab mit spektakulären Grabbeigaben ans Licht gekommen. Der Fund nahe Bad Camberg sei von europäischer Bedeutung, sagte Hessens Landesarchäologe Udo Recker. Über die Entdeckung lasse sich „die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen“. 

Das Grab werde nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforscht. Die Archäologen erhoffen sich dadurch wichtige Erkenntnisse über das Leben der Menschen in der Eisenzeit vor mehr als 2.000 Jahren. 

Zeitlich dürfte das Grab nach den Worten Reckers aus der Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus stammen und damit aus einer ähnlichen Zeit wie der weltberühmte „Keltenfürst vom Glauberg“ im Wetteraukreis. Der Fund von Bad Camberg lasse sich der sogenannten Hunsrück-Eifel-Kultur zuordnen. 

Goldringe, Schnabelkanne und Waffenüberreste 

Als Grabbeigaben entdeckten die Archäologen etwa je einen Finger-, Arm- und Halsring aus massivem Gold, eine wohl aus dem Gebiet der heutigen Toskana in Italien importierte etruskische Schnabelkanne sowie Überreste von Waffen, darunter zwei Lanzenspitzen und ein Messer. Dies deute darauf hin, dass es sich um einen männlichen Toten gehandelt haben dürfte, sagte Recker.

Im Unterschied zum Glauberg seien zudem Nachweise eines zweirädrigen Wagens entdeckt worden - darunter zwei Radnabenbeschläge, Achskappenbeschläge aus Buntmetall sowie eiserne Radreifenbeschläge. Es handele sich also um eine der seltenen keltischen Wagenbestattungen, von denen lediglich etwa drei weitere in Hessen bekannt sind, die jedoch nicht an die Qualität der Bad Camberger Funde heranreichen, wie Recker sagte. Das liege auch an der Entwicklung archäologischer Untersuchungsmethoden, die heute weitaus bessere Ergebnisse bei Ausgrabungen ermöglichten.

Ausstellung der Funde in der Keltenwelt am Glauberg? 

Nach dem Fund der Grabstätte waren mehrere Erdblöcke geborgen worden, die nun unter Laborbedingungen untersucht würden. So zeigten Röntgen- und CT-Aufnahmen weitere Grabbeigaben, die noch freizulegen sind. Die Auswertung und Konservierung der Funde dürfte Jahre in Anspruch nehmen. Wo die Fundstücke anschließend gezeigt werden, sei zwar noch nicht entschieden, Recker schloss aber nicht aus, dass sie im Museum Keltenwelt am Glauberg zu sehen sein werden.

Der Wunsch der Wissenschaftler, auch Knochenreste oder Zähne zu finden, die Aufschluss über den oder vielleicht sogar die Bestatteten hätten geben können, ist bislang nicht in Erfüllung gegangen. Die Bodenqualität rund um die Grabstätte sei für den Erhalt solcher menschlicher Überreste sehr schlecht geeignet, erklärten die Archäologen bei einer Pressekonferenz im Wiesbadener Schloss Biebrich, bei der die Funde vorgestellt wurden. Dennoch: Angesichts der reichen Ausstattung sei die Entdeckung trotzdem ein „Knaller“ - europaweit seien lediglich etwa 20 weitere Gräber aus dieser Zeit von ähnlicher Qualität bekannt.

Derzeit werden die Funde von Bad Camberg von Experten von hessenARCHÄOLOGIE sowie des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz untersucht. Die Fachbehörde hessenARCHÄOLOGIE ist für die Erfassung, Pflege und Erforschung der archäologischen und paläontologischen Bodendenkmäler im Land Hessen zuständig. 

Keltenfürst vom Glauberg vor fast 30 Jahren geborgen

Der Glauberg gilt als eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten der keltischen Eisenzeit. Ausgrabungen hatten Befestigungsanlagen und Grabhügel freigelegt. Das bekannteste Fundstück aber ist die mannshohe Statue eines Keltenherrschers aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, deren Entdeckung und Bergung vor fast genau 30 Jahren als Sensation galt. Die Stätte, die neben dem Museum Keltenwelt auch einen Archäologischen Park sowie künftig auch ein Forschungszentrum umfassen wird, strebt die Anerkennung als UNESCO-Welterbe an, bis zu einer Entscheidung werden aber noch Jahre vergehen.

dpa