Entgelte
Auch in zweiter Tarifrunde kein konkretes Angebot des Landes

"Löhne rauf, sonst zahl' ich drauf" - mit solchen Slogans versuchten Landesbeschäftigte vor dem Start der Tarifgespräche Ende Fe
"Löhne rauf, sonst zahl' ich drauf" - mit solchen Slogans versuchten Landesbeschäftigte vor dem Start der Tarifgespräche Ende Februar, den Druck auf das Land Hessen zu erhöhen. (Archivbild) Foto
© Sascha Ditscher/dpa
Die Tarifgespräche für die rund 58.000 Landesbeschäftigten in Hessen gehen weiter. Was erwarten beide Seiten? Wann planen die Gewerkschaften neue Aktionen?

Das Land Hessen kündigt auch für die zweite Runde der Tarifverhandlungen für die rund 58.000 hessischen Landesbeschäftigten noch kein konkretes Angebot an. Die Gewerkschaften hatten das mit Blick auf die Gespräche auf Arbeitsebene an diesem Montag und Dienstag (9./10.3.) in Dietzenbach im Kreis Offenbach gefordert. 

Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte ein konkretes Angebot erst für die Spitzenrunde am 26. März in Seeheim-Jugenheim im Kreis Darmstadt-Dieburg an. Dies entspreche auch den Abläufen von Tarifrunden in früheren Jahren, teilte er der Deutschen Presse-Agentur mit. Bis zum 27. März streben in Seeheim-Jugenheim beide Seiten einen Abschluss an für die Beschäftigten etwa in Schulen, bei der Polizei und in der Justiz.

Verhandlungen hinter verschlossenen Türen

Bei den Fachgesprächen mit einer verringerten Expertenzahl an diesem Montag und Dienstag in Dietzenbach geht es laut Poseck hinter verschlossenen Türen "beispielsweise um Fragen der Entgeltordnung, Übernahmeverpflichtungen für erfolgreiche Auszubildende und mögliche Regelungen für wissenschaftliche Hilfskräfte an den Universitäten". 

Die Fragen, "die alle am meisten interessieren und die auch die größte Relevanz für alle Beteiligten haben, insbesondere die Entgeltsteigerungen in den nächsten Monaten und die Laufzeit des Vertrages", sind dem Minister zufolge Thema in der Spitzenrunde am 26. und 27. März.

"Das hat einen eskalativen Charakter"

Die Bildungsgewerkschaft GEW teilte der dpa im Namen auch der anderen beteiligten Gewerkschaften mit, bei den Arbeitsgesprächen nun in Dietzenbach sei keine begleitende Kundgebung geplant. In den Folgewochen seien jedoch "mehrere Warnstreiks" vorgesehen: "Das hat einen eskalativen Charakter."

Die Gewerkschaften verlangen unter Verweis auf Reallohnverluste früherer Jahre und auf viele unbesetzte Stellen im öffentlichen Dienst sieben Prozent mehr Geld – mindestens aber 300 Euro zusätzlich. Auszubildende sollen 200 Euro mehr im Monat bekommen. Weiter fordern die Gewerkschaften, das Weihnachtgeld auf ein Monatsgehalt zu erhöhen sowie nur ihren Mitgliedern einen Urlaubstag mehr zu gewähren. 

Innenminister Poseck zeigte sich "zuversichtlich, dass wir Ende März zu einem für alle Seiten tragfähigen Ergebnis gelangen". Es gelte, "die angespannte Haushaltslage und die berechtigten Interessen der Beschäftigen in Einklang zu bringen". 

Hessen tanzt aus der Reihe

Hessen ist als einziges Bundesland nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und verhandelt daher eigenständig die Entgelte seiner Beschäftigten. Für den Bereich der TdL mit den 15 anderen Bundesländern wurde bereits ein Tarifabschluss erzielt. Insgesamt erhöhen sich die Entgelte dort um 5,8 Prozent in drei Schritten bis zum Jahresbeginn 2028. 

Poseck erläuterte daher: "Wir führen unsere Verhandlungen nicht im luftleeren Raum." Die TdL-Ergebnisse "haben alle Verhandler im Hinterkopf. Am Ende geht es aber darum, zu einem für Hessen passenden Ergebnis zu gelangen", erklärte der Minister. Er rechne daher "nicht mit einer Eins-zu-eins-Übertragung eines anderen Tarifabschlusses". Auch in der Vergangenheit sei Hessen mit der Vereinbarung eigenständiger Regelungen gut gefahren.

Auftakt mit Demonstration

Die Tarifrunde 2026 hatte am 27. Februar im hessischen Innenministerium in Wiesbaden begonnen - begleitet von einer Demonstration mit mehreren Hundert Landesbeschäftigten vor dem Gebäude.

dpa

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