Eine "rosarote Brille", "Schmetterlinge im Bauch" und viel Leidenschaft: Albert Riera hat als neuer Coach von Eintracht Frankfurt seine Arbeit aufgenommen. Im weißen Trainingsshirt zog der 43-Jährige bei seiner unterhaltsamen Antritts-Pressekonferenz die Zuhörer mit bildhafter Sprache in seinen Bann.
"Ich vergleiche das immer gern mit einer Freundin. Die ersten Tage sind alle motiviert. Man hat Schmetterlinge im Bauch", umschrieb es der Spanier bei seiner Vorstellung. "Ich werde jeden einzelnen Morgen davon überzeugen, dass man dieses Gefühl braucht, weil man diese Liebe erhalten muss."
Ein Zauberstab?
Als Nachfolger des in dieser Saison glücklosen Dino Toppmöller brachte der frühere spanische Fußball-Nationalspieler einen unerschütterlichen Glauben an seine Überzeugungskraft zum Ausdruck. Wenn er seinen Spielern sagen würde, sie sollen vom Balkon springen, würden sie das tun, versicherte der auf Mallorca geborene Riera.
Wie er das schaffe?, fragte er mit eindringlichem Blick. "Vielleicht habe ich einen Zauberstab, aber glaubt mir, ich werde es schaffen. Meine Spieler werden mir folgen."
Vielleicht liege es daran, dass er nicht über Probleme, sondern über Lösungen spreche, sagte der ehemalige Coach von NK Celje in Slowenien. Es gehe um das Selbstvertrauen, wodurch ein Spieler 50 Prozent mehr Leistung bringen könne. "Ein Spieler ohne Selbstvertrauen, ängstlich und voller Zweifel auf dem Platz, wirkt schwach. Unsere Spieler müssen gut aussehen, sie müssen attraktiv wirken, sie müssen stark und schnell wirken."
"Ich habe alles. Es gibt keine Ausreden"
An der Seite von Sport-Vorstand Markus Krösche erklärte der Coach, wie er dem kriselnden Fußball-Bundesligisten wieder zu Erfolgen verhelfen will. "Ich bin so positiv gegenüber meinen Spielern. Ich gebe ihnen rosarote Brillen. Alles ist rosarot, alles ist schön, nichts düster", sagte Riera vor seinem Debüt am Freitag beim 1. FC Union Berlin. Er legte die Latte für sich selbst sehr hoch. "Ich habe hier wirklich alles. Es gibt keine Ausreden", sagte Riera.
Riera arbeitete auch schon als Coach des nationalen Rivalen Olimpija Ljubljana und von Girondins Bordeaux und war zuvor Co-Trainer bei Galatasaray Istanbul.Als Spieler war Riera unter anderem beim FC Liverpool, Manchester City und Espanyol Barcelona aktiv. In Liverpool musste er nach einem Streit mit Rafael Benítez gehen.
"Goldene Regeln" und "magische Frage"
In Frankfurt machte er seinen Spielern zum Start in seine bis 2028 vertraglich fixierte Amtszeit "goldene Regeln" klar. "Erstens: Wir sind in erster Linie Menschen – und dann Menschen in unserer Profession - wir respektieren uns in der Kabine. Zweitens: So wie du trainierst, so spielst du", sagte er. Und dann müsse jeder sich "die magische Frage stellen: Was kannst du dem Team mit und ohne Ball geben?" Wer sich nicht dran halte, müsse bezahlen - und eine Zusatzaufgabe erfüllen: Mal eine Stunde mit dem Analysten oder dem Platzwart verbringen.
Seine Neuordnung auf der Kapitänsebene ist auch ungewöhnlich. "Wir haben jetzt sechs Kapitäne", sagte Riera. "Ich will Anführer sehen." Der bisherige Kapitän Robin Koch gehört zu dem Sextett. Weiter zählte Riera Mario Götze, Rasmus Kristensen und Arthur Theate auf. Die Gruppe habe zudem Jonathan Burkhardt gewählt. In zwei Wochen wolle er selbst noch einen weiteren Kapitän benennen.
Krösche: Wollen nächste Saison international spielen
Beim 1:3 gegen Bayer Leverkusen am Samstag hatte noch einmal Interimstrainer Dennis Schmitt die Mannschaft betreut. Durch die Heimniederlage mit erneut drei Gegentoren beträgt der Rückstand der Hessen auf einen Europa-League-Platz bereits acht Punkte. Aus der Champions League ist Frankfurt nach der Ligaphase ausgeschieden.
"Wir haben noch sehr viele Spiele. Unsere Ambitionen haben sich nicht verändert. Wir wollen international spielen nächstes Jahr", sagte Krösche. "Aber der Fokus muss jetzt mal auf dem Heute und dem Morgen sein."