Eis und Wind bereiten derzeit der Schifffahrt an Mecklenburg-Vorpommerns Küste Probleme, sorgen aber auch für beeindruckende Naturschauspiele. Am Greifswalder Bodden hat der Wind Eisschollen zu Eisbergen aufgetürmt, die mehrere Meter hoch sind.
Er sei schon in Grönland und Island gewesen, sagte vor Ort etwa der Rüganer Gerald Schmidt in Palmer Ort am Greifswalder Bodden. "Da sieht das auch so ähnlich aus." Das letzte Mal, dass es dort ein derartiges Schauspiel gegeben habe, sei schon länger her.
Hannes Knapp, ebenfalls von der Insel Rügen, sagte: "Das ist grandios." Die Eisfiguren erinnerten an das Werk "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich. Der romantische Maler (1774-1840) holte sich seine Inspirationen auch in Vorpommern und stammt aus Greifswald auf der anderen Seite des Boddens.
Für die Reederei Hiddensee bedeutet die Kombination aus Eis und Wind hingegen Probleme. Die ursprünglich schon für Anfang der Woche erhoffte Verlegung der Hiddensee-Fähre "Vitte" zurück in ihr Einsatzgebiet ist weiter aufgeschoben. Nach der Reparatur eines Eisschadens liegt die Fähre weiterhin am Kai des Stralsunder Volkswerftgeländes. Nach Auskunft der Reederei Hiddensee ließ das Wetter keine sichere Überführung zu. Das gelte voraussichtlich auch noch für den Mittwoch.
Eisbrecher kämpft sich durchs Eis, um Insel zu versorgen
Die "Görmitz" des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ostsee hatte sich am Montag stundenlang durch das Eis zunächst nach Rügen und schließlich zur Insel Hiddensee gekämpft, um bei der Versorgung der Insel etwa mit Lebensmitteln zu helfen. Erst spät am Abend war das eisbrechende Mehrzweckschiff wieder in Stralsund.
Eigentlich war geplant gewesen, dass die "Vitte" ihr am Montag Richtung Hiddensee folgt. Allerdings funktionierte der zeitliche Ablauf samt Ausdocken und Öffnung der Stralsunder Ziegelgrabenbrücke nicht wie geplant.
"Die Besatzung der "Vitte" hält sich bereit und steht im Austausch mit der "Görmitz"", schrieb ein Reederei-Sprecher. "Wir müssen jedoch situativ entscheiden und auf Sicht fahren."
Fähre war wegen Eisschaden ausgefallen
Seitdem die "Vitte" vor über einer Woche wegen eines Eisschadens ausgefallen ist, verkehrt nur der Eisbrecher "Swanti" der Reederei regelmäßig zwischen Rügen und Hiddensee. Menschen dürfen nur in Notfällen mit. Urlauber kommen derzeit nicht auf die Insel Hiddensee. "Der Notfahrplan bleibt aufrecht, aber es kann je nach Witterungsverhältnissen auch hier zu Einschränkungen kommen", schrieb der Sprecher.
Zusätzlich zu schon länger bestehenden Nachtfahrverboten in bestimmten Gewässern wies das WSA auf weitere Einschränkungen wegen des Eises hin. Wegen starker Vereisung sei das Leuchtfeuer auf der Sassnitzer Ostmole nur eingeschränkt nutzbar. Im Fahrwasser Wismar sei die Beleuchtung bestimmter Fahrwassertonnen entfernt worden. "Die Schifffahrt wird hiermit aufgefordert, die vereisten Gewässer nur mit Fahrzeugen zu befahren, die hierfür geeignet sind." Bei zunehmender Vereisung müsse mit dem Vertreiben, Kentern und Verlöschen von Schifffahrtszeichen gerechnet werden.
Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) besteht in Boddengewässern und anderen geschützten Küstengewässern Eis. Im nordwestlichen Teil des Greifswalder Boddens etwa ist das Eis demnach bis zu 25 Zentimeter dick. Laut Prognose wird sich weiter Eis bilden beziehungsweise die Dicke zunehmen. Durch den Wind werde insbesondere vor der Ostküste Rügens und vor Usedom Eis zusammengeschoben.