Rund ein Jahr nach der Havarie des Öltankers "Eventin" hat Greenpeace nahe dem weiterhin vor Rügen liegenden Schiff gegen die sogenannte russische Schattenflotte protestiert. Fünf Aktivisten hätten sich mit einem Schlauchboot bis auf etwa 100 Meter der "Eventin" genähert, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Demnach hatten sie ein Banner dabei, auf dem "Oil kills" (deutsch: "Öl tötet") stand.
Auf dem mit fast 100.000 Tonnen russischen Öl beladenen Tanker waren im Januar 2025 vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns alle Systeme ausgefallen. Stundenlang trieb das Schiff manövrierunfähig in der Ostsee, bevor Rettungsteams auf See Schleppverbindungen herstellten. Seit etwa einem Jahr liegt das inzwischen von der EU als Teil der russischen Schattenflotte gelistete Schiff vor Rügen.
Greenpeace fordert, Schattenflotte zu stoppen
Als Teil dieser Schattenflotte seien über 1.000 Tanker "schrottreif, schlecht gewartet, mit einer schlecht ausgebildeten Crew auf den Weltmeeren unterwegs", sagte Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace nach der Aktion. "Das muss ganz dringend aufhören."
Russland exportiere mit diesen "Schrotttankern" sein Rohöl, von denen laut Maack tagtäglich bis zu fünf an der deutschen Ostseeküste mit russischem Rohöl vorbeifahren. Es sei keine Frage, ob etwas passiere, sondern nur wann.
"Und mit den Profiten aus diesem Transport werden Raketen gebaut und Drohnen, um damit Städte in der Ukraine zu beschießen", sagte Maack. "Russisches Rohöl darf nicht mehr auf den Weltmarkt kommen."
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Rechtsstreit um die "Eventin"
Eigentlich wollte der Zoll die "Eventin" samt Ladung einziehen und verwerten. Entsprechende Verfügungen stoppte zuletzt in zweiter Instanz auch der Bundesfinanzhof (BFH). Es handelte sich dabei nur um ein Eilverfahren. Im Rahmen eines Hauptsacheverfahrens könnte das juristische Tauziehen weitergehen. "Die Auswertung der Entscheidung des BFH hinsichtlich des weiteren Vorgehens mit dem Schiff und der Ladung ist noch nicht abgeschlossen", hieß es vom Zoll.
Zudem wehrt sich der Eigner des Schiffes vor dem Gericht der EU gegen die Listung und Sanktionierung als Schattenflotten-Tanker, die erst nach der Havarie erfolgt war.