Von den Nazis verfolgt
Holocaust-Überlebender Weinberg mit 101 Jahren gestorben

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist am Dienstag im Alter von 101 Jahren gestorben. (Archivbild) Foto: Hauke-Christia
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist am Dienstag im Alter von 101 Jahren gestorben. (Archivbild) Foto
© Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Albrecht Weinberg hat drei Konzentrationslager und Todesmärsche überlebt. Für Aufsehen sorgte er mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Nun ist er in Leer gestorben.

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Er hatte erst im März mit Hunderten Gästen in Leer seinen 101. Geburtstag und gleichzeitig die Premiere des Dokumentarfilms über sein Leben "Es ist immer in meinem Kopf" gefeiert. Weinberg starb am Dienstag in Leer, wie die Stadt mitteilte. Zunächst hatte die "Ostfriesenzeitung" darüber berichtet. 

"Seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren hat Albrecht unermüdlich und mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und immer wieder vor dem Vergessen gewarnt", sagte Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst.

Für die Stadt Leer sei der Tod Weinbergs ein großer Verlust. Als Kind sei Weinberg mit seiner Familie auf Weisung der Nazis unter anderem durch Leer zur Viehhalle getrieben worden, wie die Stadt weiter mitteilte. Angeordnet worden sei das in dem Rathaus, in dem der Holocaust-Überlebende dann viele Jahrzehnte später die Ehrenbürgerwürde in Empfang nehmen sollte.

Weinberg überlebte drei Konzentrationslager

Weinberg überlebte die drei Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora im Harz und Bergen-Belsen bei Celle sowie mehrere Todesmärsche. Seine jüdische Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. 2012 kehrte er zusammen mit seiner Schwester aus den USA zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem ging er auch in Schulen und berichtete von dem größten Menschheitsverbrechen. Der Holocaust-Überlebende trat bis zu seinem Tod unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein.

Zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert und dem gebürtigen Rhauderfehner in einer Grußbotschaft gedankt. "Ihre Geschichte ist eine Mahnung für uns nachfolgende Generationen. Ihr unermüdliches Engagement darin, Schülerinnen und Schüler über die Vergangenheit aufzuklären, hat mich bereits zu Beginn meiner Amtszeit beeindruckt", schrieb Steinmeier in einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes.

Bundesverdienstkreuz aus Protest zurückgegeben

Weinberg hatte sich besorgt vor einem erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland gezeigt. Nachdem die Union mit Stimmen der AfD einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik durchgebracht hatte, gab er aus Protest sein Bundesverdienstkreuz an Bundespräsident Steinmeier zurück. 

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte Weinbergs Engagement gewürdigt. "Weinberg erinnert uns daran, dass die Würde des Menschen, Respekt und gegenseitige Verantwortung das Fundament unseres Zusammenlebens bilden", erklärte der Politiker. Sein Einsatz mahne zugleich, die Erinnerung wachzuhalten und sich aktiv für Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit einzusetzen.

Israels Botschafter Ron Prosor hob auf der Plattform X hervor, Weinberg sei ein "Mensch voller Würde, Wärme, Humor und unerschütterlicher Kraft" gewesen.

dpa