Demokratiebericht
Zufriedenheit mit Demokratie in NRW bei Jungen eingebrochen

Auch das Vertrauen in politische Institutionen wie den Landtag in NRW ist gesunken. (Symbolbild) Foto: Oliver Berg/dpa
Auch das Vertrauen in politische Institutionen wie den Landtag in NRW ist gesunken. (Symbolbild) Foto
© Oliver Berg/dpa
Die Demokratie wackelt, aber hält - so das Fazit des Demokratieberichts der Landeszentrale für politische Bildung. Gerade unter jungen Menschen ist die Zufriedenheit mit der Staatsform abgesackt.

Gerade unter jungen Menschen in Nordrhein-Westfalen ist die Zufriedenheit mit der Demokratie einer Umfrage zufolge seit 2023 deutlich eingebrochen. So zeigen sich nur noch 47 Prozent der 14- bis 18-Jährigen zufrieden mit der tatsächlichen Funktionsweise der Demokratie, wie aus dem dritten Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung hervorgeht. 2023 hatten in dieser Altersgruppe noch 77 Prozent Zufriedenheit bei dieser Frage geäußert. 

Auch bei den 19- bis 29-Jährigen gibt es einen Rückgang um 14 Prozentpunkte auf 51 Prozent, die sich in dieser Frage zufrieden zeigen. Bei den 30- bis 44-Jährigen sei die Unzufriedenheit in weiten Teilen der Altersgruppe bereits 2023 erkennbar gewesen. Doch es geht weiter runter: Die Zufriedenheitswerte sanken erneut um acht Prozentpunkte auf nun nur noch 43 Prozent. Allein die Älteren seien noch als Stütze der Demokratie erkennbar, heißt es im Bericht. 

Größer, aber bei Jüngeren ebenfalls rückläufig sind die Zufriedenheitswerte, wenn die Forscher nach der Demokratie laut Grundgesetz fragten. Dies deute darauf hin, dass die Menschen zwischen einem Ideal und der Umsetzung unterschieden. 

"Das Demokratieverständnis wackelt, aber hält"

Für die dritte Auflage des Demokratieberichts waren im Frühjahr 2025 in einer nach Angaben der Landeszentrale repräsentativen Umfrage mehr als 2.900 Menschen aus Nordrhein-Westfalen befragt worden - unter anderem zu ihrer Haltung zur Demokratie und Lebenszufriedenheit. 

Im Ergebnis zeige sich: "Das Demokratieverständnis wackelt, aber hält." Einerseits sei die allgemeine Demokratieunterstützung weiterhin sehr hoch. Andererseits treffen auch einige nicht-demokratische Aspekte bedenklich häufig auf Zustimmung, warnen die Autoren. Ein Beispiel: 47 Prozent der Befragten stimmten der Aussage, es brauche eine "einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpere", zu. Und immerhin 15 Prozent halten eine "Diktatur unter Umständen für die bessere Staatsform".

Vertrauensrückgang betrifft Politik und andere

Auch zeigt die Umfrage einen Rückgang des Vertrauens in Institutionen wie die Wissenschaft, die Polizei aber auch die politischen Entscheider in Land und Bund, Parteien und Politiker. Besonders deutlich sind die Vertrauensverluste auch hier bei jüngeren Altersgruppen. 

Die Demokratie sei zwar nicht akut gefährdet, aber "mittelfristig in Gefahr", so Andreas Blätte von der NRW School of Governance und Leiter der wissenschaftlichen Begleitung des Berichts in einer Mitteilung. Erklärt wird dies durch die Lebenslage der Menschen: "Persönliche Sorgen, ein wahrgenommener Mangel an wirtschaftlichen Ressourcen undChancen sowie diffuse Zukunftsangst nagen am demokratischenSelbstverständnis der Menschen in Nordrhein-Westfalen", so seine Bilanz.

dpa