Drastischer Kapazitätsabbau
Bierkonzern um Warsteiner kappt Kapazitäten

Der Bierkonzern um Warsteiner schließt die Brauerei in Herford und will die Brauerei in Paderborn verkaufen. (Archivbild) Foto:
Der Bierkonzern um Warsteiner schließt die Brauerei in Herford und will die Brauerei in Paderborn verkaufen. (Archivbild) Foto
© David Inderlied/dpa

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Es wird immer weniger Bier getrunken. Der Braukonzern um Warsteiner zieht seine NRW-Bierproduktion am Stammsitz zusammen. Zwei Brauereien sind betroffen. Die Gewerkschaft NGG wirft Wortbruch vor.

In mindestens einer weiteren Brauerei werden angesichts des sinkenden Bierkonsums in Deutschland demnächst die Lichter ausgehen: Der Bierkonzern um Warsteiner hat die Schließung seiner Brauerei in Herford für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Falls ein Verkauf der Brauerei in Paderborn nicht gelinge, solle der Betrieb dort zum Jahresende 2026 eingestellt werden. In den vergangenen Jahren haben bereits zahlreiche Brauereien aufgegeben. 

Drastischer Kapazitätsabbau

Der Familienkonzern kürzt mit der Trennung von diesen beiden Brauereien in Ostwestfalen-Lippe seine Kapazitäten um rund 30 Prozent, wie die Haus Cramer Gruppe weiter mitteilte. Die Bierproduktion der Gruppe innerhalb von NRW werde am Stammsitz in Warstein im Sauerland konzentriert. Auch die Lohnproduktion von Bier für Kunden der Gruppe werde von den Standorten in Ostwestfalen-Lippe in die Brauerei nach Warstein im Sauerland verlagert. 

Biermarken bleiben erhalten

Die Biermarken Herforder und Paderborner blieben erhalten und würden künftig in Warstein hergestellt. Das Familienunternehmen begründete die tiefen Einschnitte mit dem stark sinkenden Bierkonsum in Deutschland. Betroffen sind 98 Mitarbeiter in Herford und 113 in Paderborn. Die Gruppe strebt nach eigenen Angaben an, einen Teil der betroffenen Belegschaft in Warstein zu übernehmen. Die Haus Cramer Gruppe verfügt außerdem über drei Produktionsstandorte in Bayern, die aber nicht von der geplanten Neuausrichtung betroffen seien.

Scharfe Kritik von Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wirft dem Management Wortbruch vor. Es gebe einen Zukunftssicherungsvertrag, der eine Sicherung der Standorte Herford und Paderborn bis Ende 2028 vorsehe. Dafür hätten die Beschäftigten ab Mitte 2021 auf Tariferhöhungen, auf Urlaubsgeld und auf Teile des Weihnachtsgeldes verzichtet. "Im Gegenzug galt das Versprechen der Haus-Cramer-Gruppe, die Brauereien weiterzubetreiben. Das Wort hat die Geschäftsleitung jetzt gebrochen", sagt NGG-Landeschef Mohamed Boudih.

Zahlreiche Brauereien gaben auf

In der deutschen Braubranche ist seit langem von erheblichen Überkapazitäten die Rede. Es wird immer weniger alkoholhaltiges Bier getrunken. Nach einem historischen Rückgang um 5,8 Prozent im Jahr 2025 hielt die Talfahrt auf dem deutschen Biermarkt in den ersten Monaten des laufenden Jahres an. Die Zahl der Brauereien in Deutschland geht nach dem Anstieg auf 1.552 Betriebe im Jahr 2019 zurück. Seither gaben nach jüngsten Angaben des Deutschen Brauer-Bundes 137 Betriebe auf, darunter viele jahrhundertealte Brauereien.

dpa