Sicheres Schwimmen
Nur noch mit Bronze ins Bad? - Viel Beifall von Fachleuten

Schwimmen nur mit Bronzeabzeichen - die verschärften Baderegeln in einigen NRW-Bädern finden viel Unterstützung. Foto: Hauke-Chr
Schwimmen nur mit Bronzeabzeichen - die verschärften Baderegeln in einigen NRW-Bädern finden viel Unterstützung. Foto
© Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Da viele Kinder nicht sicher schwimmen können, verschärfen Freibäder teils die Regeln: Ohne Begleitung müssen junge Gäste mindestens ein Bronze-Abzeichen vorweisen. Doch alle Probleme löst das nicht.

Endlich Sonnenschein und bis zu 30 Grad: Viele Freibäder in NRW rechnen am Pfingstwochenende mit starkem Andrang. Mancher Bademeister dürfte dabei in den vollen Bädern mit einem mulmigen Gefühl am Beckenrand sitzen - denn nach Zahlen Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann rund ein Fünftel der Kinder in NRW nicht sicher schwimmen. 

Um Badeunfälle zu verhindern, haben einige Kommunen mit Beginn dieser Schwimmsaison die Zutrittsregeln verschärft - und damit teils für Aufsehen gesorgt. "Bei uns sind die Telefone heißgelaufen", sagt eine Sprecherin in Verl südlich von Bielefeld. Dort kommen Kinder unter 16 ohne Begleitung Erwachsener neuerdings nur noch rein, wenn sie mindestens das Bronzeabzeichen vorweisen können - den früheren "Freischwimmer", für den man mindestens 15 Minuten am Stück schwimmen können muss. 

Strengere Sicherheitsauflagen gelten etwa auch im Westfalenbad in Hagen – wo es 2024 und 2025 tödliche Badeunfälle gab - und im Porta-Bad in Porta Westfalica, wo Kinder ohne Begleitung ab sieben mindestens ein Bronzeabzeichen vorweisen müssen. Im Lippstadter Kombibad "CabrioLi" gilt schon länger: Kinder allein erst ab 10 - und bis 16 nur mit Bronze-Schwimmabzeichen oder mehr. 

Fachleute unterstützen die Verschärfung

Fachleute haben Verständnis für die Verschärfung. Die Maßnahme sei nachvollziehbar, weil die Bäder angesichts knapper Ressourcen sicherstellen wollten, dass sich nur sichere Schwimmer im Wasser aufhielten, sagt der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Nordrhein-Westfalen, Frank Zantis. Das Einstiegsabzeichen "Seepferdchen" reiche dafür nicht aus – als sicherer Schwimmer gelte man offiziell erst ab dem Bronzeabzeichen. 

"Das ist eine gute Idee, eine saubere Idee. Das Bronzeabzeichen gewährleistet, dass die Kinder sicher im Schwimmen sind", sagt auch der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim.

Geld- und Personalmangel: Die Ursachen bleiben ungelöst

Doch die tieferen Ursachen der mangelnden Schwimmfähigkeit würden damit natürlich nicht gelöst, sagen beide Experten. Hauptursache sei der Rückgang verfügbarer Schwimmflächen in NRW und ganz Deutschland. 

Eine gemeinsame Umfrage der DLRG und des Deutschen Schwimmverbands in NRW habe ergeben, dass Wartelisten für Schwimmkurse je nach Region bis zu anderthalb Jahre lang seien. Eltern müssten sich daher sehr frühzeitig um Kursplätze kümmern – ähnlich wie bei der Anmeldung im Kindergarten, rät Zantis.

Harzheim fordert mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand. Ein Bundesförderprogramm für Bäder sei massiv überzeichnet – etwa 80 bis 85 Prozent der Anträge würden abgelehnt, sagt er. Besonders kritisch ist aus seiner Sicht der bundesweite Mangel an Bademeistern. Etwa 2.500 bis 3.000 Stellen könnten aktuell nicht besetzt werden – Tendenz steigend. Viele Bäder müssten deshalb ihre Öffnungszeiten reduzieren.

Abzeichen kann man oft direkt ablegen

In Verl seien seit Inkrafttreten der neuen Regeln Anfang Mai schon etliche Kinder und Jugendliche ohne Schwimmnachweis abgewiesen worden, sagt die Stadtsprecherin. Das habe durchaus auch Kritik und pampige Reaktionen gebracht. 

Falls es nicht allzu voll ist, böten die Bademeister den Jugendlichen dann aber an, das Bronzeabzeichen sofort abzulegen. Einige hätten das angenommen und die Vorgabe von Sprung, Tauchen und 15 Minuten mit mindestens 200 Metern Schwimmen geschafft - andere hätten schon nach kurzer Zeit abgebrochen. "Das zeigt doch auch, dass unsere Vorsicht berechtigt ist", sagte die Sprecherin.

Manche Eltern sind Teil des Problems

Teil des Problems und der Lösung sind auch die Eltern. Sie seien "Anker und Rettungsring" für ihre Kinder, schreibt das Hagener Westfalenbad in seinem neuen umfassenden Sicherheitskonzept, das nach den beiden tödlichen Badeunfällen entwickelt wurde. 

Die Realität sieht aber gelegentlich anders aus, wie der leitende Schwimmmeister Björn Jann aus Verl in einem Interview der "Westfalen-Post" berichtet: "Wir haben in den vergangenen Jahren ohne Ende Schwimmflügelkinder aus dem Becken geholt, die allein im Wasser waren. Die Eltern der Kinder liegen auf der Wiese, spielen am Handy, klönen mit irgendjemandem oder lesen ein Buch."

dpa