Es ist über 20 Jahre her, dass sich Kylie Minogue auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befand und sich auf einen großen Auftritt als Headlinerin auf dem Glastonbury-Festival vorbereitete – und ihre Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach. Aus dem Nichts bekam sie die Diagnose Brustkrebs, mit 36 Jahren.
Die Australierin hatte noch so viel vor, unter anderem wollte sie Mutter werden, doch dann machte ihr die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Minogue spricht darüber in ihrer dreiteiligen Netflix-Doku „Kylie“, die am 20. Mai veröffentlicht wurde. Krebsdiagnostiziert mit 36 Jahren stand Minogue damals vor einer harten Entscheidung: Die Therapien zur Bekämpfung der tödlichen Krankheit hinauszuzögern, um sich vorher einer Kinderwunschbehandlung zur Fruchtbarkeitserhaltung zu unterziehen? Oder direkt mit den Medikamenten zu starten, die im Zweifel die Eizellen oder einen Embryo schädigen können?
Kylie Minogue wünschte sich Kinder so sehr
Sie entschied sich für die erste Variante und ging das Risiko des verzögerten Behandlungsstarts ein. Ihr Wunsch nach einer eigenen Familie war zu groß. In einem Interview in der Dokumentation sagt ihre Schwester Dannii Minouge, die Mutter eines Sohnes ist: „Ich habe mich selbst nie als Mutter gesehen, und sie (Kylie) schon immer.“ Doch dazu sollte es nie kommen. „Das ist einfach herzzerreißend“, blickt Dannii Minogue zurück.
Kylie Minogue sagt über ihre In-vitro-Fertilisation: „Ich war damals 36 Jahre alt, als ich die Diagnose erhielt. In diesem Alter steht die Frage nach Kindern ohnehin im Raum. Also habe ich es versucht. Ich habe damals sogar meine Chemotherapie verschoben, um mir selbst diese Chance zu geben. Das war damals sehr beängstigend, denn eigentlich will man nur, dass alles so schnell wie möglich entfernt wird, dass es einfach weg ist.“
Für ihre Netflix-Doku legt Minogue, die Ende Mai 58 Jahre alt wird, ihre Scham ab und erzählt, dass sie sogar einen Brief an ihr imaginäres Kind geschrieben habe, den sie in einer emotionalen Szene auch vorliest. Immer wieder wurde die Sängerin, die kinderlos geblieben ist, auf ihre Familienplanung angesprochen; „dass es doch so viele Möglichkeiten gäbe“.
Gegenüber der „Sunday Times“ fand sie zu diesem Thema 2016 klare Worte: „Glaubt mir, irgendwann kommt der Punkt, an dem man am liebsten schreien möchte, wenn die nächste Person sagt: ‚Na ja, es gibt doch so viele Möglichkeiten.‘„ Natürlich ist es großartig, dass es diese Möglichkeiten gibt. Aber wenn man gleichzeitig mit so vielem anderen kämpft und einem Dinge genommen wurden, die man für selbstverständlich gehalten hat, dann fühlt sich das eher so an: ‚Ja, es gibt Möglichkeiten, aber …‘“
Das „aber„ scheint in der Sängerin vielleicht auch eine böse Vorahnung gewesen zu sein, denn 2021 erkrankte die Australierin, die ihren Durchbruch in den 80er Jahren als Schauspielerin in der Serie „Neighbours“ feierte, erneut an Krebs. Dieses Mal schwieg sie öffentlich dazu und erzählt es erst jetzt in ihrem nun erschienenen TV-Format, weil sie nur noch eine „Hülle eines Menschen“ war, wie sie sagt, als das Schicksal sie ein weiteres Mal herausforderte.