Wegen eines Warnstreiks stehen Busse und Straßenbahnen in Teilen Sachsen-Anhalts still. In Magdeburg, Halle und dem Burgenlandkreis hat der Ausstand im Nahverkehr am Morgen begonnen, wie Sprecher der Gewerkschaft Verdi bestätigten. "Die Kollegen und Kolleginnen stehen bei Eiseskälte vor den Toren und zeigen mit Nachdruck, dass sie hinter den Forderungen stehen", sagte Verdi-Sprecherin Katja Fiebiger am Morgen in Halle.
Bis 1.00 Uhr in der Nacht sind dort laut Angaben der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) alle Bus- und Bahnlinien betroffen. In der Landeshauptstadt sollen bis Dienstag 2.30 Uhr keinen Straßenbahnen und Busse der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) fahren. In der Nacht zu Dienstag wird der Verkehr dann schrittweise wieder aufgenommen, wie das Unternehmen vorab mitteilte. Im Burgenlandkreis sind die Busse der PVG bis Betriebsende betroffen. Wegen der aktuellen Winterferien findet der Schülerverkehr ohnehin nicht statt.
Als Alternative verweisen die MVB und die HAVAG auf die S-Bahnen und den regionalen Zugverkehr, die vom Ausstand nicht betroffen sind. In Magdeburg fahren auch die Regionalbusse in Verantwortung der im Magdeburger Regionalverkehrsverbund organisierten Verkehrsunternehmen.
Auch Behörden, Ministerien und Autobahn GmbH bestreikt
Neben Bussen und Straßenbahnen sind nach Angaben der Gewerkschaft auch Behörden und Ministerien betroffen. Aufgerufen zum Warnstreik sind unter anderem Beschäftigte der Landesstraßenbaubehörde, der Universität Magdeburg, der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Autobahn GmbH des Bundes sowie Ministerien und Landesdienststellen.
Auf den Autobahnen sind jedoch kaum Auswirkungen zu spüren, wie eine Sprecherin sagte. Für den Winterdienst gibt es demnach eine Notdienstvereinbarung. Die Räumung der Straßen laufe weiterhin auf Hochtouren und habe oberste Priorität.
Weiterer Warnstreik im Öffentlichen Dienst am 10. Februar
Einen weiteren Warnstreik am 10. Februar kündigte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an. Zum Ausstand aufgerufen sind die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst sowie die studentischen Beschäftigten an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der kreisfreien Stadt Magdeburg, den Landkreisen Altmarkkreis Salzwedel, Stendal, Börde, Jerichower Land, Salzlandkreis, Harz und Anhalt-Bitterfeld.
Verdi fordert 35-Stunden-Woche und 300 Euro mehr
Für die Beschäftigten im Nahverkehr fordert Verdi eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Gehälter sollen um 300 Euro steigen, bei Auszubildenden um 150 Euro. Zusätzlich soll die Zeit zwischen den Schichten auf 12 Stunden ununterbrochene Ruhezeit verlängert werden. Im öffentlichen Dienst geht es der Gewerkschaft um eine Erhöhung der Gehälter um sieben Prozent, mindestens jedoch um 300 Euro monatlich.
Die Arbeitgeber wollen laut Verdi im Nahverkehr eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durchsetzen, unter anderem soll der Krankengeldzuschuss gekürzt und der tarifliche Kündigungsschutz abgeschafft werden. "Die Beschäftigten ärgern sich sehr über das Verhalten der Arbeitgeber", sagte Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt. Die Belastung sei flächendeckend zu hoch. Die Forderungen der Arbeitgeber würden daher wie Hohn wirken.
Arbeitgeber: Forderungen nicht zu verkraften
Der Kommunale Arbeitgeberverband bezeichnete die Gewerkschaftsforderungen und die damit verbundene finanzielle Mehrbelastung für die Nahverkehrsunternehmen im Gegenzug als nicht zu verkraften. Man habe bei der Auftaktverhandlungsrunde Mitte Januar grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft signalisiert.
"Die heutigen Streiks unter Aufrechterhaltung der nicht realisierbaren Forderungen und in Kenntnis der aktuellen wirtschaftlichen Lage sowie des anstehenden Verhandlungstermins kritisieren wir deutlich", sagte Diana Häseler-Wallwitz, Verbandsgeschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Sachsen-Anhalt. "Sie belasten die Bevölkerung zu Unrecht und sind unverhältnismäßig."