Tarifkonflikt Warnstreik legt ÖPNV im Nordosten weitgehend lahm

Straßenbahnen blieben auch in Schwerin im Depot. Foto: Philip Dulian/dpa
Straßenbahnen blieben auch in Schwerin im Depot. Foto
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Berufspendler, Schüler, Eltern und andere ÖPNV-Nutzer mussten auch in MV auf Autos, Fahrrad oder wo möglich auf Home-Office umsteigen. Die meisten Busse und Bahnen fuhren wegen Warnstreiks nicht.

Wegen Warnstreiks ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zum Wochenstart in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns ausgefallen. Landesweit blieben nach Schätzung der Gewerkschaft etwa 80 Prozent der Busse und Bahnen in den Depots. In Rostock fiel der ÖPNV bis auf den Busverkehr für den Schüler-Schwimmunterricht komplett aus. Viele der rund 2.800 in MV betroffenen Beschäftigen nutzten den Warnstreik, um nach Lübeck zur zentralen Gewerkschaftskundgebung zu fahren. 

Bei der Rostocker Straßenbahn AG begann der Warnstreik mit Betriebsbeginn um 3.00 Uhr. Er sollte bis Dienstag 3.00 Uhr andauern. Die RSAG befördert nach eigenen Angaben an einem Werktag durchschnittlich knapp 150.000 Menschen mit Bahnen und Bussen. Schon im vergangenen Jahr legten Warnstreiks von Verdi den Betrieb an rund zehn Tagen lahm. Die zur Deutschen Bahn gehörende S-Bahn war von dem Ausstand nicht betroffen. Sie verkehrte zwischen dem Ostseebad Warnmünde und Rostock.

Ein weiterer Warnstreik sorgte in MV an zwei Eisenbahnlinien für Ausfälle. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte im Tarifstreit mit dem privaten Betreiber Regio Infra Nord-Ost von 7.00 Uhr bis 9.30 Uhr zum Ausstand aufgerufen. Laut EVG fielen in MV die RB 15 Waren (Müritz) - Malchow - Plau am See von der ODEG und die RB 16 Neustrelitz - Mirow von der Hanseatischen Eisenbahn (HANS) aus.

Busse landesweit betroffen

Verdi hatte nach eigenen Angaben Beschäftigte von neun Verkehrsbetrieben zu Warnstreiks aufgerufen. Dazu zählten die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), der Nahverkehr Schwerin (NVS), Nahbus Nordwestmecklenburg, die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), Rebus Regionalbus Rostock, die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG), der Verkehrsbetrieb Greifswald (VBG), die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald (VVG) und die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR). 

Die VVG teilte allerdings mit, dass sie vom Streik nicht betroffen sei und die Busse im Linien- und Schülerverkehr sowie der Ilse-Rufbus planmäßig verkehrten. Das Busunternehmen Rebus reagierte mit einem vorläufigen Ersatzfahrplan auf die Warnstreiks.

 

Verdi-Nord-Verhandlungsführer Sascha Bähring forderte die kommunalen Arbeitgeber auf, im Tarifstreit für die ÖPNV-Beschäftigten ernsthaft über die Vorschläge der Arbeitnehmerseite zu sprechen. "Die Verhandlungen sind schon relativ hart", so Bähring. Er hoffe zur nächsten Runde am 16. Februar, dass die Arbeitgeber bereit seien, ernsthaft über die Forderungen der Gewerkschaften zu verhandeln.

Der Kommunale Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern wies allerdings die Kernforderung der Gewerkschaft nach einer Absenkung der Wochenarbeitszeit erneut zurück. Eine Reduzierung von 39 auf 35 Wochenarbeitsstunden bei vollem Lohnausgleich entspräche elf Prozent Entgelderhöhung, sagte Verbandsgeschäftsführerin Carola Freier. Das sei nicht finanzierbar.

Dritte Verhandlungsrunde am 16. Februar 

In Schwerin wurde nach Angaben der NVS der komplette Nahverkehr eingestellt. Im Rostocker Stadtgebiet entfielen der RSAG zufolge neben dem ÖPNV auf der Straße auch die Fahrten mit der Fähre zwischen Gehlsdorf und Kabutzenhof. Der Verkehrsbetrieb Nahbus konnte in Nordwestmecklenburg nach eigenen Angaben mit Hilfe von Partnerunternehmen auf den Taktlinien und im Stadtverkehr Wismar zumindest einen Notbetrieb sicherstellen.

Zu den Warnstreiks hatten die Gewerkschaften bundesweit aufgerufen. Betroffen waren nahezu alle 16 Bundesländer. Lediglich Niedersachsen war den Angaben nach zunächst ausgenommen. In Mecklenburg-Vorpommern ist die dritte Verhandlungsrunde für den 16. Februar in Rostock angesetzt.

dpa