Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will ihre Beratung zur Kriegsdienstverweigerung ausweiten. "Die Leute sind durch die Nachrichten aufgeschreckt", sagte Landesbischof Friedrich Kramer mit Blick auf das neue Wehrdienstgesetz. Auch deshalb seien die Zahlen bei den Beratungsstellen "richtig nach oben gegangen". Es meldeten sich auch Eltern und andere Angehörige, um sich beraten zu lassen.
Die Kirche berate ergebnisoffen, betonte Kramer. Ziel solle sein, dass die Jugendlichen eine "verantwortete Entscheidung" treffen können. Sie sollen dabei unterstützt werden, genau abwägen zu können.
Angebot nicht nur für Jugendliche
Den Angaben nach bietet die evangelische Kirche seit 1956 Beratung für jene an, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen wollen. Die Beratung - meist telefonisch - ist vertraulich und kostenlos.
Es sollen neue Beraterinnen und Berater ausgebildet werden, hieß es. Das Angebot richtet sich auch an Reservisten sowie Soldaten, die aus Gewissensgründen verweigern wollen.
Neues Gesetz soll Bundeswehr stärken
Die Bundesregierung will den Wehrdienst in Deutschland modernisieren. Vorgesehen ist eine verpflichtende Musterung junger Männer und die Wiedereinführung der Wehrerfassung. Es gilt aber weiterhin das Prinzip der Freiwilligkeit.
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Das Gesetz für den neuen Wehrdienst ist am 1. Januar in Kraft getreten. Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. So soll die stehende Truppe von zuletzt mehr als 180.000 Männern und Frauen um 80.000 auf 260.000 aktive Soldaten wachsen. Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben.
Alle jungen Männer und Frauen ab Geburtsjahrgang 2008 werden ab diesem Jahr einen Fragebogen zur Person erhalten, der auch die Motivation zum Wehrdienst abfragt. Männer müssen, Frauen können diesen beantworten, denn für Frauen sieht das Grundgesetz keine Wehrpflicht vor. Für alle Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, soll dann die Musterung wieder zur Pflicht werden. Praktisch wird sie aber erst später greifen.